N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Triodia sylvina (Linné, 1761)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Phalaena Noctua sylvina Linnaeus, 1761, Faun. Suec., 6, p. 306
Typenfundort: Schweden, Holmiae
Typus: Syntypen in coll. The Linnean Collections at The Linnean Society of London (Bilder)

Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Bombyx hamma [Denis and Schiffermüller], 1775. Typenfundort: Deutschland. Jüngeres subjektives Synonym.
Hepialus angulatus Fabricius, 1781. Typenfundort: Deutschland. Jüngeres subjektives Synonym.
Phalaena multicolor Fourcroy, 1785. Typenfundort: Frankreich. Jüngeres subjektives Synonym.
Hegialus crux Fabricius, 1787 [sic]. Typenfundort: Dänemark. Jüngeres subjektives Synonym.
Noctua angulum de Villers, 1789. Ungerechtfertigte Emendation.
Noctua c-album de Villers, 1789. Typenfundort: Europa. Jüngeres subjektives Synonym.
Schrank, 1801. Typenfundort: Deutschland. Jüngeres subjektives Synonym.
Hepialus cruxatorHaworth, 1802. Ungerechtfertigte Emendation.
Hepialus angulator Haworth, 1802. Ungerechtfertigte Emendation.
Hepialus sylvinator Haworth, 1802.Ungerechtfertigte Emendation.
Hepialus pallidus Hormuzaki, 1894. Typenfundort: Russland. Jüngeres subjektives Synonym.
Hepialus poecilus Hormuzaki, 1894. Typenfundort: Rumänien. Jüngeres subjektives Synonym.
Hepialus kruegeri Turati, 1909. Typenfundort: Italien. Jüngeres subjektives Synonym.
Hepialus victoriae Petkoff, 1914. Typenfundort: Bulgarien. Jüngeres subjektives Synonym.
Hepialus sylvinus f. brunnescens Lempke, 1938. Typenfundort: Niederlande. Infrasubspezifischer Name.
Hepialus sylvinus f. pauper Lempke, 1938. Typenfundort: Niederlande. Infrasubspezifischer Name.
Hepialus androgynus Agenjo, 1942. Typenfundort: Spanien. Jüngeres subjektives Synonym.
Hepialus pardoi Agenjo, 1942. Typenfundort: Spanien. Jüngeres subjektives Synonym.
Hepialus alfaroi Agenjo, 1942. Typenfundort: Spanien. Jüngeres subjektives Synonym.
Hepialus laincalvo Agenjo, 1942. Typenfundort: Spanien. Jüngeres subjektives Synonym.
Triodia sylvina f. nigrescens Lempke, 1961. Typenfundort: Niederlande. Infrasubspezifischer Name.
Triodia sylvina f. obscura Lempke, 1961. Typenfundort: Niederlande. Infrasubspezifischer Name.
Triodia sylvina f. pallida Lempke, 1961. Typenfundort: Niederlande. Infrasubspezifischer Name.
Triodia sylvina f. reducta Lempke, 1961. Typenfundort: Niederlande. Infrasubspezifischer Name.
silvyna auct. unkorrekte Schreibweise.

Wood Swift, Orange Swift, Swift Moth, Wood Swift Moth
la Sylvine
Ampfer-Wurzelbohrer, Trockenkräuterrasen-Wurzelbohrer, Malvenwurzelspinner, Hopfenwurzelspinner

Habitus:

 
: Salzburg, Stadt Salzburg, Taxham, 1972.08.16, coll. Haus der Natur : Kärnten, Obervellach, 1964.09.19, coll. Haus der Natur : Salzburg, Stadt Salzburg, Bachstraße, 1981.08.12, leg. et coll. Michael Kurz  
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
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Beschreibung: Untersucht: 1 , 2 . Vfl.-Länge: 15,5 mm, 17,0-18,2 mm. Kopfhaare dicht, abstehend, beim ocker, beim braun; Palpen dicht haarförmig beschuppt mit nach unten abstehenden Haarschuppen, beim orangebraun, beim braun; Augen halbkugelig, schwarzbraun; Fühler sehr kurz, beim kaum 3 mm, vorne mit quergestellten Lamellen, beim ebenso, aber Lamellen deutlich kürzer; Thorax und Tegulae dicht haarförmig beschuppt, beim ocker bis orangebraun, beim braun bis violettbraun; Vfl. beim gelb- bis orangebraun, beim dunkel rotbraun bis violettbraun; eine weißbraune, V-förmige zeichnung über fast die gesamte Flügelbreite, der Grund des V im Zwischenraum oft verdunkelt; die distale Linie des V innen hellgrau angelegt, der Winkel des V kleiner als 90°; in der oberen Flügelmitte eine kleine V-förmige weiße Zeichnung, oft etwas verschwommen, innen ebenfalls hellgrau angelegt; am Vorderrand 2-3 dunkler braune Fleckchen, diese oft weißlich gesäumt; weitere weißliche Zeichnungselemente gelegentlich im Außenteil des Flügels; Fransen in der Grundfarbe; Hfl. in der Färbung ähnlich den Vfl., oft etwas heller oder dunkler, beim auch mehr rötlich, zeichnungslos; Fransen gleichfarbig; Unterseite in der Färbung gleich der Oberseite, zeichnungslos, stark kupfrig glänzend; Beine ohe Sporne, dicht und lang haarförmig beschuppt, beim ocker bis orangebraun, beim ocker bis violettbraun; Abdomen eher schütter und nur kurz haarförmig beschuppt, braun.

Verbreitung:

Die Art ist in West-, Nord-, Mittel- und Südosteuropa bis in den nahen Osten verbreitet. Die vertikale Verbreitung reicht von Meeresniveau bis über 1900 m Höhe.

Lebensweise:

Ein vermutlich frisch geschlüpftes : Salzburg, Flachgau, Eugendorf, Sophiensiedlung, 2003.08.28 dasselbe Tier aus anderem Blickwinkel: Salzburg, Flachgau, Eugendorf, Sophiensiedlung, 2003.08.28 Oberösterreich, Mattsee, Lochen, Campingplatz Stein, 2003.08.24 Salzburg, Stadt Salzburg, Gnigl, 2012.08.17
Bild von: Kurz Michael
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Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2000.08.19 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2001.08.21 Salzburg, Stadt Salzburg, Gnigl, 2014.08.09  
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
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Die Art bewohnt Wiesen, Wegränder, aber auch Gärten und Parks. Die Männchen fliegen nur kurze Zeit in der Abenddämmerung und verbreiten dabei einen Duft, mit dem Weibchen angelockt werden. Die Imagines fliegen in einer Generation von Ende Juli bis September, einzelne Tiere wurden aber auch schon im Mai und Juni festgestellt (aus Zucht ?).

Entwicklungsstadien:

Ei:
Die Eier sind sehr klein, rundlich, seitlich etwas eingedrückt. Sie sind kurz nach der Ablage weißlichgelb, nach wenigen Stunden aber glänzend schwarz und werden zu mehreren hundert während des Fluges ausgestreut.

Raupe:
Die Raupe ist erwachsen 25 - 30 mm lang, beinweiß glänzend mit rotbraunem, großem, gerundetem Kopf und ebenso gefärbtem Nackenschild. Die Mundteile sind schwarz, die Stigmen braun. Die Raupe lebt zweijährig von September bis Juli an den Wurzel zahlreicher verschiedener Pflanzen, wie Ampfer, Löwenzahn, Möhre, aber auch Adlerfarn. Die Verpuppung erfolgt in einem leichten Gespinst in der Erde.

Puppe:
Die Puppe ist länglich, glänzend gelbbraun und mit zahlreichen Stacheln besetzt. Sie ist sehr beweglich.

Anatomie:

   
-Genitalapparat -Genitalapparat    
Bild von: © Viette 1948, modified
Detailansicht
Bild von: © Viette 1948, modified
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(nach Viette, 1948):

:
Genitalapparat:
Die dorsalen Fortsätze des Tegumens sind sichelförmig, gut sklerotisiert und zielmlich dunkel; die ventralen Fortsätze sind in der Mitte und mit dem Trulleum verbunden und formen eine dreieckig verlängerte Platte, die in eine Spitze ausläuft; die Seitenteile des Tegumens bilden ein horizontales Band, das schwächer sklerotisiert ist; Das Trulleum ist ziemlich kurz, groß und im Endbreich mit den ventralen Fortsätzen des Tegumens verbunden; die Juxta ist sehr groß, außen mit einem gerundeten Rand; die Valven sind beinahe hantelförmig, der runde äußere Teil ist dicht mit Borsten besetzt; das Vinculum ist sehr gut entwickelt, besitzt einen kurzen Saccus, und ist am caudalen Rand in der Mitte mehr oder weniger lang geschlitzt.

:
Genitalapparat:
Das 9. Sternit ist in drei Platten geteilt, zwei größere auf der Seite und eine kleinere in der Mitte, welche mit Borsten besetzt ist; das Tergit ist nicht zu Analpapillen differenziert, sondern formt einen Bogen, der mit Borsten besetzt ist; die Subanalplatte ist zielmich groß, gezähnt.

Diagnose:

T. sylvina : Österreich, Stadt Salzburg, Taxham, 1972.08.16 T. amasina : Griechenland, Naussa, 1995.09.13 T. adriatica : Griechenland, Peloponnes, Tolon, 1983.10 K. lupulinus : Sachsen-Anhalt, Leipzig Umgebung, Querfurt, 1968.06.04
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
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Der Falter ist in Mitteleuropa gut charakterisiert und normalerweise leicht zu erkennen. Auf dem Balkan kommen zwei ähnliche Arten vor, Triodia amasina (Herrich-Schäffer, 1851) und Triodia adriatica (Osthelder, 1931) (die Unterschiede siehe unter T. amasina)

Die ebenfalls gelegentlich nicht unähnliche Korscheltellus lupulinus (Linné, 1758) wird in Mitteleuropa regelmäßig mit T. sylvina verwechselt, weist im Allgemeinen aber eine deutlichere, weiße Zeichnung auf und fliegt deutlich früher als T. sylvina. Außerdem weist T. sylvina auf den Fühlern quer gestellte Lamellen auf, die bei K. lupulinus fehlen. Die weißen Binden der Vfl. Oberseite treffen bei T. sylvina nahezu im rechten Winkel aufeinander, während dieser Winkel bei K. lupulinus deutlich größer als 90° ist.

Wissenswertes:

Quellen:

de Freina, J. und T. Witt (1990): Die Bombyces und Sphinges der Westpaläarktis (Insecta, Lepidoptera), Bd. 2, Edition Forschung & Wissenschaft Verlag GmbH, München
Forster, W. & Th. A. Wohlfahrt (1960): Die Schmetterlinge Mitteleuropas, 3, Spinner und Schwärmer, Franckh´sche Verlagshandlung, Stuttgart
Heath, J. (1983): The moths and butterflies of Great Britain and Ireland, Vol.I: Micropterigidae - Heliozelidae, Harley Books, Martins, Great Horkesley, Colchester, Essex
Karsholt, O & J. Razowski (1996): The Lepidoptera of Europa. A distributional checklist, Apollo-Books, Stenstrup
Leraut P. (1992): Les papillons dans leur milieu, Bordas
Viette P. (1948): Faune de France, 49, Lépidoptères homoneures, Paris

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2001.04.23
Kurz Michael: 2007.11.04
Kurz Michael: 2012.02.04
Kurz Michael: 2012.03.28
Kurz Michael: 2014.02.16
Kurz Michael: 2015.02.22
Kurz Michael: 2015.03.02
Kurz Michael: 2017.03.01
Kurz Michael: 2017.07.13
nicht begutachtet