N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Micropterix calthella (Linné, 1761)

Allgemeine Angaben:

Phalaena (Tinea) calthella Linnaeus, 1761, Fauna Suecica (2. Ausg.), p.367
Typenfundort: Schweden
Typus: ?, vermutlich in BMNH

Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Eriocephala sulcatella Bentley, 1845, Zoologist 3, p.1086
(Micropteryx ?) urticella O.G.Costa, [1836]
Micropteryx silesiaca Toll, 1942

Dotterblumen-Schabe

Habitus:

 
: Salzburg, Flachgau, Wallersee, Seekirchen, Weng am Wallersee, 1990.05.01, coll. Michael Kurz : Frankreich, Champagne, Poulangy, 2003.05.04, leg. Renate Hausenblas, coll. Christof Zeller : Toscana, Prov. Pisa, Laura Umgebung, Lorenzana, 1995.05.07, coll. Kurz  
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
 

Schema der Flügelzeichnung:

Beschreibung:
(untersucht: 13 , 43 )
Vfl.-Länge: 3,1 - 3,7 mm; 3,6 - 4,6 mm
Spannweite: 7,0 - 8,0 mm; 7,5 - 9,4 mm

Kopf schwarzbraun, Kopfhaare schmutzigweiß bis rostgelb; Fühler braun, goldglänzend mit rötlichem Schimmer, beim 4/5, beim fast 3/5 der Vfl.-Länge;
Thorax bronzegolden bis kupfrig, caudal gelegentlich purpurn gemischt; Tegulae kupfrig bis blauviolett; Vfl. einfarbig bronzegolden, bräunlichgolden bis leicht grünlichgolden, die Vfl.-Basis mehr oder weniger ausgedehnt von der Costa bis zum Innenrand purpurn bis purpurviolett, zum Teil mit eingestreuten bläulichen Schuppen; Fransen hell bronzegolden bis weißlichgolden, zum Teil leicht purpurn überhaucht; Hfl. hell bronzegolden, vor allem apikal gelegentlich mehr oder weniger stark purpurn bestäubt; Fransen hell bronzegolden, am Hinterrand heller, zum Teil leicht purpurn überhaucht; Beine und Abdomen braun, goldglänzend, zum Teil leicht purpurn.

Variabilität:
Die Tiere variieren nur geringfügig in der Grundfarbe, sowie in der Intensität und Ausdehnung der Purpurbestäubung an der Vfl.-Basis. Eines der untersuchten wies allerdings eine ausgedehnte Bestäubung mit einzelnen purpurfarbenen Schuppen über den gesamten Vfl. auf. Bei einer kleinen Serie aus der Toskana zeigten besonders die Rudimente einer verschwommen begrenzten, purpurnen Bindenzeichnung. Neben der purpurnen Flügelbasis fand sich bei ca. 1/4 ein purpurner Costalfleck und ein weiterer bei ca. 2/3. Letzterer setzte sich in einer rötlichen Tönung bis über fast die gesamte Flügelbreite fort.

Verbreitung:

Nach Heath (1983) ist die Art durch ganz Europa bis nach Zentralsibirien verbreitet. Laut Karsholt und Razowski (1996) fehlt die Art in Europa in Island, der Iberischen Halbinsel, dem südlichen Balkan und den Mittelmeerinseln.

Lebensweise:

Typischer Lebensraum sind mit Hahnenfuß gemischte Hochstaudenfluren an feuchten Wald- und Gebüschrändern: Salzburg, Osterhorngruppe, St. Gilgen, Fürberg Umgebung, 2004.06.06 Salzburg, Osterhorngruppe, Strobl, Blinklingmoos, 2004.05.30 Salzburg, Osterhorngruppe, Strobl, Blinklingmoos, 2004.05.30 Die Falter fressen gerne gesellig auf Hahnenfußblüten: Salzburg, Osterhorngruppe, Strobl, Blinklingmoos, 2004.05.30
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Salzburg, Osterhorngruppe, Strobl, Blinklingmoos, 2004.05.30 Auch Gräserpollen werden oft verzehrt: Salzburg, Flachgau, Thalgau, 2004.05.30 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Umg.Leibnitz, Gralla, Waldwiese, 2001.05.05 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2004.05.11
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Johannes Gillmann
Detailansicht
Bild von: Johannes Gillmann
Detailansicht
Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2004.05.11 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2004.05.15 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2004.05.15 Salzburg, Flachgau, Köstendorf, Tannberg, vom Gipfel Richtung Lassbergweg, 2005.05.15
Bild von: Johannes Gillmann
Detailansicht
Bild von: Johannes Gillmann
Detailansicht
Bild von: Johannes Gillmann
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
   
Die Copula dauert oft nur wenige Sekunden: Salzburg, Flachgau, Köstendorf, Tannberg, vom Gipfel Richtung Lassbergweg, 2005.05.15 Dieselben Falter: Salzburg, Flachgau, Köstendorf, Tannberg, vom Gipfel Richtung Lassbergweg, 2005.05.15    
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
   

Die Art besiedelt feuchte, aber nicht ausgesprochen nasse Biotope, wie Sumpfwiesen, feuchte Waldränder und -wege. Die Imagines ernähren sich von den Pollen der verschiedensten Pflanzen, deren Blüten von außen leicht zugänglich sind, also beispielsweise Gräser, oder Ranunculus-Arten.

Entwicklungsstadien:

Nach Heath (1983) ist das Ei oval, 450 - 480 µm lang und 350 - 370 µm breit mit stäbchenartigen Strukturen an der Oberfläche, die bis 60 µm lang sind. Es ist durchscheinend weiß und verfärbt sich vor dem Schlüpfen der Raupe grau.

Die Puppe ruht in einem festen Seidenkokon. Raupe und Puppe werden sehr ausführlich von Lorenz (1961) beschrieben.

Anatomie:

, Cuticula, schematisiert -Genitalapparat, Präp.-Nr. 251, M.Kurz: Salzburg, Flachgau, Thalgau, Thalgauegg, Fundstelle 8/120, 1987.05.17, leg. Zeller/Kurz, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präp.-Nr. 387, M.Kurz: Salzburg, Flachgau, Thalgau, Thalgauegg, Fundstelle 8/120, 1987.05.17, leg. Zeller/Kurz, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präp.-Nr. 251, M.Kurz: "n.Kalkvoralpen; Thalgau/Sbg. 8/120; 860 m; an Blüte von Taraxacum officinale (gesellig)", "17.5.1987; 10.30 - 12.30 h; leg. Zeller/Kurz", coll. Michael Kurz
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
, Cuticula, schematisiert -Genitalapparat, Präp.-Nr. 268, M.Kurz: Salzburg, Untersberggebiet, Grödig, Fürstenbrunn, 1970.05.28, leg. Fritz Mairhuber, coll. Haus der Natur, Salzburg -Genitalapparat, Präp.-Nr. 268, M.Kurz: "Fürstenbrunn; 28.5.1970; Salzburg; Mairhuber", coll.Haus der Natur, Salzburg -Genitalapparat, Receptaculum seminis in stärkerer Vergrößerung, Präp.-Nr. 268, M.Kurz: "Fürstenbrunn; 28.5.1970; Salzburg; Mairhuber", coll.Haus der Natur, Salzburg
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
     
Schema der Kopulation      
Bild von: Philpott (1927), modifiziert
Detailansicht
     

Beschreibung:
(untersucht: 2 , 4 )

:
Cuticula:
Tergite 3 - 7 mit deutlich modifizierten cephalen Rändern; 8. Tergit reduziert, in der Mitte am breitesten; 2. Sternit gattungstypisch, Sternite 3 - 6 kaum modifiziert, 7. Sternit in der Mitte verschmälert; 8. Sternit zu zwei länglichen, schmalen Chitinplättchen reduziert; Tergite 6 - 8 und Sternite 6 - 7 am cephalen, Sternite 3 - 5 am caudalen Rand mit einer stärker chitinisierten Querleiste; die Ränder der meisten Sklerite nicht glatt, sondern leicht fransig.
Genitalapparat:
Uncus mäßig lang, eher schmal; unterhalb des Uncus ein Büschel langer Haare; akzessorische Klammerorgane gut entwickelt, etwa trapezförmig; an deren gerundetem Vorderrand eine Reihe von 7 - 8 sehr kurzen, modifizierten, löffel- bis spatelförmig gestalteten Stacheln, sowie am unteren Ende des Vorderrandes eine äußere Reihe von 3 etwas längeren, geraden, am Ende modifizierten Stacheln; Valven mäßig lang, in der Mitte deutlich verschmälert, das distale Viertel spatelförmig verbreitert und nach oben gebogen; an ihrer Innenseite postbasal 2 - 3 kürzere, gerade Stacheln; das distale Viertel ebenfalls an der Innenseite mit 2 - 4 unregelmäßigen Reihen mäßig langer bis sehr kurzer, gerader Stacheln; Aedoeagus ohne Sonderbildungen.

:
Cuticula:
2. Segment gattungstypisch; Tergite 3 - 6 am kopfwärtigen Rand leicht verbreitert; die übrigen Sklerite bis zum 8. Segment nicht auffallend modifiziert, lediglich die Sternite 3 - 5 mit einer stärker chitinisierten Querleiste am caudalen Rand; alle Sklerite mit stark fransigen Seitenrändern; 9. Tergit fehlend; 9. Sternit stark reduziert, mäßig sklerotisiert mit nicht immer ganz deutlichen Rändern, aber relativ charakteristischer Gestalt.
Genitalapparat:
10. Segment (Analpapillen) mit bandförmiger Sklerotisierung; Ductus seminalis sehr dünn; Receptaculum seminis insgesamt lang und schmal, am Ansatz etwas verdickt, die obere Hälfte gerade, sehr schmal, ohne Querstreifung; die untere Hälfte bogenförmig, länglich sackförmig erweitert, mit gattungstypischer, nicht ganz regelmäßiger Querstreifung; am untersten Ende ein dünner Fortsatz.

Diagnose:

M. calthella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 251, M.Kurz: "n.Kalkvoralpen; Thalgau/Sbg. 8/120; 860 m; an Blüte von Taraxacum officinale (gesellig)", "17.5.1987; 10.30 - 12.30 h; leg. Zeller/Kurz", coll.Kurz M. aruncella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 287, M.Kurz: "Schlierbach; m[itte] 5.1892; Hauder", coll. Oberösterreichische Landessammlung, Linz M. isobasella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 343, M.Kurz: "Helvetia; Laquintal; 18.7.1936; leg. P.Weber", Rückseite: "Laquintal; Simplon, 18.VII.36; 12284; ", "M. isobasella; f. weberi M.R.", coll.Klimesch (ZSM, München) M. calthella -Genitalapparat, Präp.-Nr. 268, M.Kurz: "Fürstenbrunn; 28.5.1970; Salzburg; Mairhuber", coll.Haus der Natur, Salzburg
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
   
M. aruncella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 270, M.Kurz: "Gaisberg; 1280 m; 12.VIII.1965; Salzburg; Austria; leg. Fr. Mairhuber", coll. Haus der Natur, Salzburg M. isobasella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 806, M.Kurz: Valais, Zwischbergental, 1650 m, 2002.07.23, leg. Renate Hausenblas, Christof Zeller, coll. Michael Kurz    
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
Bild von: Michael Kurz
Detailansicht
   

Eine Verwechslung von M. calthella ist mit anderen zeichnungslosen, einfarbig goldfarbenen Arten wie Micropterix isobasella Staudinger, 1871, den zeichnungslosen Formen von Micropterix sicanella Zeller, 1847 und Micropterix paykullella (Fabricius, 1794), Micropterix garganoensis Heath, 1960 und den von Micropterix aruncella (Scopoli, 1763) möglich. Von all diesen unterscheidet sich calthella meist deutlich durch dunkler (bräunlich, grünlich) bronzegoldene Grundfarbe, sowie durch die meist ausgedehnte Purpurbestäubung der Vfl.-Basis (von der Costa bis zum Innenrand).

Auch im -Genitalapparat ist calthella gut zu erkennen, bei den Weibchen wurden noch nicht alle Arten untersucht.

Von ebenfalls ähnlichen, schwach gezeichneten Exemplaren der Micropterix mansuetella Zeller, 1844 unterscheidet sich calthella sofort durch die helle Kopfbehaarung (bei mansuetella schwärzlich).

Quellen:

Heath, J. (1983): The moths and butterflies of Great Britain and Ireland, Vol. I: Micropterigidae - Heliozelidae, Harley Books, Martins, Great Horkesley, Colchester, Essex
Heath, J. in Karsholt, O & J. Razowski (1996): The Lepidoptera of Europa. A distributional checklist, Apollo-Books, Stenstrup
Linnaeus, C. (1761): Fauna Suecica (2.Ausgabe), 578 pp. Stockholm
Lorenz, R.E. (1961): Biologie und Morphologie von Micropterix calthella (L.) (Lep. Micopterygidae), Dt.ent.Z. 8, p. 1-23

Autor: Michael Kurz, Marion Kurz, Christof Zeller
Publikationsdatum: 2000.05.26
Naturkundliches Informationssystem
Letzte Änderung: 2006.02.20