N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Eriocrania (Dyseriocrania) subpurpurella (Haworth, 1828)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Tinea subpurpurella Haworth, 1828: 571.
Typenfundort: England, Coomb Wood [sic]
Typus: Nicht festgelegt, Syntypen vermutlich in coll. NHM, London.

Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Micropteryx fastuosella Zeller, 1839: 185. Typenfundort: Schlesien, Groß-Glogau (jetzt: Polen, Glogów). Infrasubspezifischer Name.
Adela donzelella Duponchel, [1840]: 408. Typenfunort: Zentralfrankreich. Jüngeres subjektives Synonym.

Habitus:

 
: Salzburg, Stadt Salzburg, Rainberg, Steinbruch, 1971.04.20, leg. Fritz Mairhuber, coll. Haus der Natur : Salzburg, Flachgau, Elixhausen, Ursprung, 1979.05.20, leg. Fritz Mairhuber, coll. Haus der Natur : Salzburg, Alpenvorland, Bürmoos, 1989.04.16, leg. Nelwek, ID-Nr. MK-7.4, coll. Kurz  
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
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Beschreibung der Imagines: Untersucht: 2 , 3 . Vfl.-Länge: 5,1 - 6,2 mm, 5,2 - 5,7 mm. Kopf dunkelbraun, Kopf und Gesicht mit mäßig dichter, schmutzig weiß und bräunlich gemischter Behaarung; Augendurchmesser ca. 0,35 mm, Augenabstand (frontal) ca. 1,5-facher Augenabstand; Maxillarpalpen lang, gefaltet, anliegend beige beschuppt; Fühler braun, bronzegolden glänzend, auf der Unterseite weißlich gemischt, ca. 3/5 der Vfl.-Länge; Thorax schmutzig weiß und dunkel bräunlich gemischt, abstehend behaart; Metathorax am Rücken anliegend bronzegolden beschuppt; Vfl. länglich, golden bis hell bronzegolden mit zahlreichn, verstreuten purpurnen und leuchtend blauen Fleckchen; vor dem Tornus befindet sich ein undeutlicher, hell gelblicher bis weißlicher Fleck am Innenrand; im Bereich des Diskus, aber auch sonst über den Flügel verstreut öfter weitere undeutliche, hell gelbliche Fleckchen; Fransen bronzegolden, zum Teil heller gemischt; Hfl. mit breit lanzettlichen Schuppen, die in der Basishälfte die Flügelmembran nicht vollständig bedecken; Hfl. an der Basis bronzegolden, apikal stark pupurn getönt, mit bronzegoldenen Fransen; Beine hellbraun, golden glänzend; Vordertibie ohne Epiphyse, Mitteltibie mit einem normalen Endsporn und einem zweiten, stark reduzierten Sporn, Hintertibie mit je einem Spornpaar bei ca. 0,65 der Tibienlänge und am Ende; Abdomen bräunlich, gemischt bräunlich und weißlich behaart.

Variabilität:
Bei der f. fastuosella Zeller sind die Vfl. stark purpurn und blau gebändert. Die Äderung der Flügel variiert beträchtlich (Heath 1983).

Verbreitung:

Nach Heath (1983) besiedelt die Art ganz Europa mit Ausnahme des äußersten Nordens und der Iberischen Halbinsel. Heath (1996) meldet die Art auch für Portugal und Spanien. Nach Karsholt & Nieukerken (2004) kommt die Art mit Ausnahme des mittleren Balkan, Weißrusslands, sowie dem Norden und Süden des europäischen Russland in fast allen europäischen Ländern vor. Dubatolov (2012) meldet die Art von der Ukraine, aber in Sibirien und der Ostpaläarktis scheint sie zu fehlen (anonym 2012, Dubatolov 2012). Nur wenige Daten sind bezüglich der Höhenverbreitung vorhanden. Diese reichen von nahe Meeresniveau bis 1000 m (Kurz & Kurz 2017).

Lebensweise:

Die Tiere fliegen in Laubwäldern mit Eichenbeständen und an Waldrändern im Sonnenschein. Sie kommen aber auch nachts ans Licht und sitzen bei trübem Wetter an Stämmen und Ästen von Eichen (Heath 1983). Die Imagines fliegen in einer Generation pro Jahr von Mitte April bis Mai (Kurz & Kurz 2017).

Entwicklungsstadien:

 
Mine an Quercus robur: Oberösterreich, Innviertel, Reichersberg, 2011.05.08 Oberösterreich, Innviertel, Reichersberg, 2011.05.08 Salzburg, Flachgau, Thalgau, Thalgauberg, 1989.05.20, leg. et coll. Michael Kurz  
Bild von: Kurz Michael
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Morphologie der präimaginalen Stadien (Heath 1983):

Ei. Die Eier werden an Blattknospen von Eichen (Quercus ssp.) abgelegt.

Raupe. Die Raupe ist weißlich mit braunem Kopf. Sie lebt von Mai bis Juli in einer großen Platzmine in einem Eichenblatt. Erwachsen verläßt sie die Mine und fertigt zur Verpuppung einen derben Kokon in der Erde an.

Die Puppe überwintert.

Anatomie:

-Genitalapparat -Genitalapparat, Präparat Nr. 468, M.Kurz: Salzburg, Stadt Salzburg, Rainberg, Steinbruch, 1971.04.20, leg. Fritz Mairhuber, coll. Haus der Natur -Genitalapparat Abdomen, Präparat Nr. 472, M.Kurz: Salzburg, Alpenvorland, Bürmoos, 1989.04.16, leg. Heimo Nelwek, coll. Michael Kurz
Bild von: © Zagulayev 1978
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Bild von: Kurz Michael
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-Genitalapparat, Präparat Nr. 472, M.Kurz: Salzburg, Alpenvorland, Bürmoos, 1989.04.16, leg. Heimo Nelwek, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präparat Nr. 469, M.Kurz: Salzburg, Flachgau, Elixhausen, Ursprung, 1979.05.20, leg. Fritz Mairhuber, coll. Haus der Natur    
Bild von: Kurz Michael
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Prägenitales Abdomen: 5. Sternit an beiden Seiten mit je einer großen ovalen, schwach sklerotisierten Stelle mit wabenartiger Oberfläche (sensorisches Organ); Weibchen mit zusätzlichen, ähnlichen Stellen auch an den Seiten von Sternit IV, aber diese Flecke nur rund 1/3 der Größe der Flecke an Sternit V.

Genitalapparat. Männchen-Genitalapparat sehr gedrungen; Uncus mit zwei großen, dreieckigen Lappen, deren gerundetes Vorderende mit kurzen Stacheln und längeren Borsten in einem deutlich abgegrenzten Feld besetzt; Valven stark reduziert, am Vorderrand eingebuchtet, innen am Dorsalrand mit 2 - 3 Reihen, am Vorderrand mit 1 - 2 Reihen kurzer Stacheln; Vinculum ventral der Valven in einem Bogen stärker sklerotisiert, mit einem Feld aus kurzen Zähnchen; Äste des Saccus wesentlich kürzer als die Unterkante des Vinculum, spitz dreieckig zulaufend; Aedoeagus um 1/4 länger als die Unterkante des Vinculum, sehr schlank; Parameren ebenfalls sehr schlank, so lang wie der Aedoeagus, mit gerundeter Spitze.

Genitalapparat. 9. Sternit (?) sehr stark reduziert, bandförmig, beiderseits sichelförmig zurückgebogen und sehr stark sklerotisiert, in der Mitte unterbrochen und die Unterkante einer Einbuchtung bildend; diese reicht bis zum Ovipositor und ist an den Seiten, besonders am Ende wieder stärker sklerotisiert; 9. Tergit (?) sehr stark atrophiert und umgestaltet, im Inneren des Abdomens zwei sehr schlanke, pfeilförmige Äste bildend; Apophyses anteriores und posteriores sehr lang, bis fast zum 5. Segment zurück reichend; am Ansatz der Apophyses anteriores ein ausgedehntes Feld sehr kurzer Stacheln; ein weiteres, stark sklerotisiertes, stabförmiges Gebilde in Längsrichtung auf der Dorsalseite nahe am Abdomenende; Spitze des Ovipositors oberseits mehrfach abgestuft; innere Genitalorgane nicht sklerotisiert.

Diagnose:

E. subpurpurella : Austria, Salzburg, Alpenvorland, Bürmoos, 1989.04.16, leg. Nelwek Heimo, coll. Michael Kurz E. sparrmannella : Salzburg, Gois, Goiser Moos, 436m, 2012.04.25, leg. et coll. Christof Zeller E. subpurpurella -Genitalapparat, Präp. Nr. 468, M. Kurz: Salzburg, Stadt Salzburg, Rainberg, 1971.04.20, leg. Fritz Mairhuber, coll. Haus der Natur E. sparrmannella -Genitalapparat, Präp.-Nr. 1010, M. Kurz: Austria, Salzburg, Gois, Goiser Moos, 436m, 2011.04.17, leg. et coll. C. Zeller
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E. subpurpurella -Genitalapparat, Präp. Nr. 469, M. Kurz: Austria, Salzburg, Flachgau, Elixhausen, Ursprung, 1979.05.20, leg. Fritz Mairhuber, coll. Haus der Natur      
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Die Art, vor allem die f. fastuosella, ist am ehesten mit Eriocrania (Eriocrania) sparrmannella (Bosc, 1791) zu verwechseln, hat aber eine deutlich länglichere Flügelform und Fühler, die deutlich länger als die halbe Vfl.-Länge sind. Im Genitalapparat ist die Art in beiden Geschlechtern eindeutig zu erkennen, die am besten an der Form der Valven, die an dem charakteristischen, sehr stark sklerotisierten 8. Sternit.

Wissenswertes:

Quellen:

anonym 2012. An Identification Guide of Japanese Moths Compiled by Everyone. URL: http://www.jpmoth.org [online 04 November 2012].
Dubatolov, V. V. 2012. Collection of Siberian Zoological Museum: Eriocraniidae. http://szmn.sbras.ru/Lepidop/Eriocran.htm [online 04 November 2012].
Duponchel, P. A. J. [1838–1840]. Nocturnes, 8. – In: J.-B. Godart, Histoire Naturelle des Lépidoptères ou Papillons de France 11. – Paris, Méquignon-Marvis. 720 pp., pls 287–314.
Haworth, A. H. 1828. Lepidoptera Britannica, sistens digestionem novam insectorum lepidopterorum quae in Magna Britannia reperiuntur, lavarum pabulo, temporeque pascendi; expansione alarum; mensibusque volandi; synonymis atque locis observationibusque variis. Part 4. Londini, pp. 513–609.
Heath, J. 1983. The moths and butterflies of Great Britain and Ireland, Vol.I: Micropterigidae – Heliozelidae. – Harley Books, Martins, Great Horkesley, Colchester, Essex.
Heath, J. 1996. Family Micropterigidae – In: O. Karsholt & J. Razowski (eds), The Lepidoptera of Europa. A distributional checklist. – Apollo-Books, Stenstrup.
Karsholt, O. 2004. Families Acanthopteroctetidae, Axiidae, Castniidae, Cossidae, Drepanidae, Eriocottidae, Eriocraniidae, Gelechiidae, Heterogynidae, Limacodidae, Lypusidae, Micropterigidae, Roeslerstammiidae, Somabrachyidae, Uraniidae. In: Karsholt, O. & E. J. van Nieukerken (eds.). Lepidoptera, Moths. – Fauna Europaea version 1.1, http://www.faunaeur.org [online 22 January 2009].
Kaltenbach, Th. & P.V. Küppers (1987): Kleinschmetterlinge: beobachten - bestimmen, Neumann-Neudamm, Melsungen
Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2017. Naturkundliches Informationssystem. – URL: http://www.nkis.info [online 7 March 2017].
Zagulajev, A.K. 1978. Eriocraniidae; in G.S. Medvedev (ed.): Keys to the insects of the europaean part of the USSR, Vol.IV: Lepidoptera, part 1 (english translation), Oxonian Press Pvt.Ltd., New Dehli, 1987
Zeller, P. C. 1839. Versuch einer naturgemäßen Eintheilung der Schaben. – Isis, Leipzig [32]: 167–219.

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2003.02.21
Kurz Michael: 2005.12.27
Kurz Michael: 2008.04.22
Kurz Michael: 2009.03.26
Kurz Michael: 2013.07.04
Kurz Michael: 2014.02.16
Kurz Michael: 2015.10.19
Kurz Michael: 2017.03.07
nicht begutachtet