N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Aporia crataegi crataegi (Linné, 1758)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Papilio crataegi Linnaeus, 1758
Typenfundort: Schweden
Black-veined White
Le Gazé
Baumweißling
Pieride del biancospino
Blanca del Majuelo

Habitus:

   
: Salzburg, Thalgau, 600 m, 1976.06.26 Unterseite: Salzburg, Thalgau, 600 m, 1976.06.26    
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
   

Beschreibung:
(untersucht: 1 )

Vfl.-Länge: 33 mm
Spannweite: 64 mm
Kopf schwarz, grau behaart; Augen umbrabraun, Palpen klein, weißgrau, kurz schwarz behaart; Fülhler knapp unter 1/2, bis auf die weiße Kolbenspitze schwarz.
Thorax schwarz, weißlichgrau bis grau behaart; Oberseite, vor allem auf den Vfl. durchscheinend gelblichweiß bis kreidig beschuppt; nur der Saum ist etwas dichter beschuppt; Apex und Außenrand aud Vfl. und Hfl. hellgrau; die deutlich hervortretenden Adern am Vfl. basal hellbraun, im äußeren Drittel und am Hfl. schwarz; Unterseite ähnlich der Oberseite, die Hfl. bis auf den fast weißen Analrand stärker gelblich und leicht grau bestäubt; Beine schwarz, an der Oberseite z.T. weiß mit schütterer hellgrauer Behaarung.
Abdomen schwarz, schütter und kurz hellgrau behart.

Verbreitung:

Die Gesamtverbreitung der Art erstreckt sich über die gesamte Paläarktis von NW-Afrika über Europa, die Türkei, Zypern, Israel, Jordanien, den Libanon, Syrien, den NO-Irak, N-Iran und Transkaukasien, sowie das gemäßigte Asien (zwischen 40° und 70° N) bis Japan. In Europa fehlt die Art im nördlichen Skandinavien, auf den atlantischen Inseln, den Balearen, Korsika, Sardinien, den Kykladen, den Ionischen Inseln und Kreta. Auf den Britischen Inseln ist die Art ausgestorben. Die Höhenverbreitung erstreckt sich von rund 500 - 2000 m, verirrte Tiere wurden auch bis 2600 m gefunden.

Lebensweise:

Ein Falter an Carduus defloratus defloratus Linné saugend: Salzburg, Osterhorngruppe, Trattberg, Enzianhütte, 2003.07.06 Marche, Ascoli Piceno, Monti Sibillini, Forca Canapine, 1500 m, 2005.06.22 dieselben Falter: Marche, Ascoli Piceno, Monti Sibillini, Forca Canapine, 1500 m, 2005.06.22 dieselben Falter: Marche, Ascoli Piceno, Monti Sibillini, Forca Canapine, 1500 m, 2005.06.22
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
   
ohne Daten Schweden, Fjärilsvägen, Grinduga, Gävle, 2008.06.13    
Bild von: www.flickr.com: © Xisbe
Detailansicht
Bild von: www.flickr.com: © Ardeola
Detailansicht
   

Die Art bevorzugt warme, sonnige und gebüschreiche Lagen und sonnige Waldränder, kommt aber auch in reich strukturiertem Kulturland vor. Die Falter fliegen bevorzugt auf blumenreichen Wiesen. Eine Neigung zur Binnenwanderung scheint bei dieser Art vorhanden zu sein.

Flugzeit der Imagines ist in Mitteleuropa Juni und Juli.

Entwicklungsstadien:

     
Exuvien von Puppen: Lombardia, Lago di Garda, Desenzano Umgebung, 1997.05.01      
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
     

Ei:
Die Eier sind leuchtend gelb und kegelförmig. Sie werden in kleinen Haufen meist auf der Blattunterseite abgelegt und stehen aufrecht.

Raupe:
Die Raupe ist aschgrau, am Rücken schwarz mit zwei orangeroten, breiten Längsstreifen. Sie ist kurz behaart mit einzelnen längeren Haaren und lebt gesellig. Die Raupen überwintern gemeinsam auf den Ästen der Futterpflanze zwischen zusammen gesponnen Blättern (kleine "Raupennester"). Futterpflanzen der Raupen sind die meisten Prunus- und Crataegus-Arten, aber auch Malus- und Pyrus-Arten, sowie Sorbus aucuparia.

Puppe:
(untersucht: 5 Exuvien)
Die Gürtelpuppe ist an den Zweigen der Futterpflanze zu finden. Sie ist 22 - 25 mm lang, schlank, hell grünlichgelb bis weißlich. An der Bauchseite verläuft ein schmaler schwarzer Streifen vom Kopf bis zum Kremaster, der am Abdomen etwas breiter ist. An den Flügelscheidenrändern, vereinzelt auch auf den Flächen, sowie am gesamten Rücken finden sich zahlreiche kleine schwarze Punkte. An der Seite oben verläuft zudem eine sehr feine gelbe Linie bis zu den Seiten des Kremasters.

Diagnose:

   
Aporia crataegi L. : Salzburg, Flachgau, Thalgau, 600 m, 1976.06.26 Parnassius mnemosyne mnemosyne L. : Salzburg, Thalgau, 600 m, 1976.07.01    
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
   

Achtet man auf die Größe und die zeichnungslosen, durchscheinend weißen Flügel mit den deutlichen dunklen Adern, ist die Art in Europa unverwechselbar. Zum Vergleich ist oben Parnassius mnemosyne L. abgebildet, der bei ähnlicher Größe und ähnlich schütter beschuppten Flügeln aber eine deutliche schwarze Fleckenzeichnung aufweist.

Wissenswertes:

Die Raupe des Baumweißlings lebt an verschiedenen Laubbäumen und konnte früher bei Massenvermehrung gelegentlich an Obstbäumen schädlich werden. Eine solche Massenvermehrung beschreibt vermutlich auch Theodor Storm in seiner Novelle "Der Schimmelreiter", wenn er als Vorboten des nahenden Unglücks von "wie ein Schnee, ein groß Geschmeiß" und von "Blutregen" schreibt. Die Falter des Baumweißlings geben nach dem Schlüpfen aus der Puppe nämlich einen Tropen blutroten Harns ab, bevor sie wegfliegen.

Quellen:

Forster, W. & Th. Wohlfahrt: Die Schmetterlinge Mitteleuropas, Bd. 2 Tagfalter, 2. Aufl. 1976, Franckh´sche Verlagshandlung, W.Keller & Co., Stuttgart
Storm Theodor: Der Schimmelreiter, Reclam Universal-Bibliothek, Nr. 6015 [2], Stuttgart
Tolman T. & R. Lewington (1998): Die Tagfalter Eurpas und Nordwestafrikas, Kosmos-Naturführer, aus dem engl. übersetzt und bearbeitet von Matthias Nuß, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2003.11.26
Kurz Michael: 2005.12.26
Kurz Michael: 2008.08.04
Kurz Michael: 2008.09.08
Kurz Michael: 2010.04.16
Dokument begutachtet von:
not reviewed: 2010.04.16
Dokument freigegeben:
Kurz Michael: 2010.04.16