N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Pieris brassicae brassicae (Linné, 1758)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Papilio brassicae Linnaeus, 1758, Syst. Nat., X
Typenfundort: Schweden (festgelegt durch Verity, 1947)
Large White
Piéride du Chou
Großer Kohlweißling
Cavolaia
Blanca de la Col

Habitus:

: Salzburg, Flachgau, Thalgau, 1977.06.07, leg. et coll. Michael Kurz derselbe Falter von der Unterseite : Salzburg, Flachgau, Thalgau, 1976.07.17, leg. et coll. Michael Kurz derselbe Falter von der Unterseite
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Beschreibung:
(untersucht: 1 , 1 )

Spannweite: 56 mm, 55 mm
Der Kopf ist gelblichgrau behaart, die Augen sind rotbraun bis dunkel graubraun, die Palpen weiß mit langer, dunkelgrauer Behaarung auf der Unterseite. Die 13 mm langen Fühler sind oben schwarz mit weißer Spitze, unten undeutlich schwarz-weiß gestreift.
Der Körper ist schwarz, vor allem am Thorax leicht weiß bis gelblich behaart und unterseits zum Teil stark weiß bestäubt. Die Oberseite ist weiß, beim auch leicht gelblich, nur die Basis aller Flügel, sowie der Costalrand des Vfl. sind leicht grau bestäubt. Der Apex des Vfl., sowie ein Fleck in der Mitte des Costalrandes des Hfl. sind schwarz bis dunkel graubraun, leicht weiß überhaucht. Auf der Unterseite sind nur die Vfl. mit Ausnahme des Apex weiß. Dieser ist ebenso wie die Hfl. weißlichgelb bis dunkelgelb. Die Hfl. sind zudem mehr oder weniger stark grau bestäubt. Auf dem Vfl. befinden sich untereinander noch zwei kräftige schwarze bis dunkel graubraune Flecke, die beim nur schwach auf die Oberseite durchschimmern, beim aber auch auf der Oberseite gleich groß ausgebildet sind. Der untere der beiden Flecke läuft hier überdies geschwungen in den Analrand Richtung Basis aus. Die weißen Beine sind mit Ausnahme von Tibia und Tarsus unterseits lang weiß behaart.
Das Abdomen ist dunkelgrau, oberseits kreidig weiß bestäubt.

Variabilität:
Neben dem Unterschied in der Fleckenzeichnung zwischen und , zeigt die Art auch deutliche Unterschiede zwischen den Generationen. Die Frühjahrsform ist auf der Hfl.-Unterseite stärker gelb, mit intensiver grauer Bestäubung, während die Sommerform hier heller mit oft fast fehlender grauer Bestäubung ist.

Verbreitung:

Die typische Unterart ist von Nordafrika über nahezu ganz Europa verbreitet, wobei das Vorkommen in den nördlichsten Breiten stark von Wanderbewegungen abhängt. Gleiches gilt vor das Vorkommen in den höchsten Gebirgslagen, wo die Art bis 2600 m Höhe gefunden wurde.

Die Art unternimmt in Mitteleuropa manchmal lokale Wanderungen, nicht selten in breiter Front (vor allem in Norddeutschland). Die größte bisher festgestellte davon war die 1956 über die Alpen.

Lebensweise:

: Salzburg, Radstädter Tauern, Obertauern, Weg von der hinteren Gnadenalm auf die Südwienerhütte, 2002.09.14, ID MK-1687 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, ID JG0010-1-2,63 von der Unterseite: Steiermark, ID JG0010-2-1,32 : Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, ID JG0010-3-1,67
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: Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2001.05.19, ID JG0010-JG,15-2,68 von der Unterseite: Steiermark, Kleingraben Wiese, 2001.06.06, ID JG0010-JG,16-2,01 Portugal, Lissabon, Mercês, Jardim Botânico de Lisboa, 2006.11.18  
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Ursprünglicher Lebensraum der Art sind blumenreiche Magerwiesen mit einem entsprechenden Angebot an Futterpflanzen für die Raupe, aber auch an geeigneten Nektarquellen. Das Fehlen Letzterer dürfte dafür verantwortlich sein, dass die Art, obwohl als Kulturfolger auf Kraut- oder Kohläckern oft lokal sehr zahlreich, in weiten Gebieten heute nur mehr einzeln auftritt. Je nach geographischer Breite und Höhenlage können sich mehrere Generationen von März bis Oktober entwickeln.

Feinde und Parasitoide:
Die Raupen werden häufig von Apanteles-Arten befallen, besonders Apanteles glomeratus. Puppen werden zudem oft von der Chalcidide Pteromalus puparum parasitiert, die sich in großer Zahl in einer einzelnen Puppe entwickleln kann. Die befallenen Puppen sehen nach dem Schlüpfen der Wespen wie durchsiebt aus.
Die Falter sind für Vögel ungenießbar, da sie Senföle aus den Futterpflanzen der Raupen enthalten.

Entwicklungsstadien:

     
Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2001.08.17, ID JG0010-JG,17-2,24      
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Ei:
Die Eier werden haufenweise auf die Blattunterseite der Futterpflanzen abgelegt (insgesamt 200 - 300 Eier). Sie sind kegelförmig, aufrecht und leuchtend gelb. Das Eistadium dauert 4 - 10 Tage.

Raupe:
Die Raupe ist bäulichgrün mit gelbem Rücken- und Seitenstreifen, am Rücken und an den Seiten schwarz punktiert. Die Unterseite ist gelb. Sie lebt an verschiedenen Brassicaceae, an Capparis spinosa und Tropaeolum majus. An Kohl und Kraut kann sie oft schädlich werden. Wird die Raupe bedroht, schnellt sie die vordere Körperhälfte hin und her und sondert dabei eine grüne Flüssigkeit aus der Mundöffnung aus. Ihre Entwicklung dauert je nach den klimatischen Bedingungen zwischen 3 und 6 Wochen. Die Verpuppung erfolgt an gechützten Stellen an Stämmen, Pfählen, Mauern und dergleichen.

Puppe:
(untersucht: 1 Exemplar)
Die Puppe ist 23 mm lang, schlank, beinfarben und zum Teil grau marmoriert mit kleinen schwarzen Flecken. Nur die Flügelscheiden sind etwas heller. Am Rücken befinden sich einige stumpfe Höcker, die Spitze am Kopf ist nicht besonders ausgeprägt. Die Fühlerscheiden sind abwechselnd hell-dunkel gezeichnet. Die Puppe ist Überwinterungsstadium.

Diagnose:

Die Unterart wollastoni Butler von Madeira weist ausgedehnter schwarze Zeichnungselemente auf der Vfl.-Oberseite auf. Bei ssp. azorensis Rebel von den Azoren ist die Hfl.-Unterseite weißgrau. Pieris cheiranthi auf den Kanarischen Inseln weist auf der Vfl.-Oberseite noch stärker ausgedehnte schwarze Zeichnungselemente auf als ssp. wollastoni. Bei ihr sind die beiden schwarzen Punkte beim zu einer unvollständigen, breiten Querbinde verschmolzen. Die übrigen Pieris-Arten Europas sind deutlich kleiner als brassicae.

im -Genitalapparat ist cheiranthi sehr ähnlich brassicae, nach Higgins (1975) ist bei cheiranthi die Valve etwas kürzer und breiter und deren Fortsatz etwas stärker betont. Der dorsale Höcker des Aedoeagus ist zudem größer.

Genetik:

Chromosomenzahl (haploid): 15 (Higgins, 1975)

Biochemische Leistungen:

Die Falter werden von Glucosinolaten (Thioglucoside von Senfölen, z.B. Sinigrin) angelockt, welche von Brassica campestris, Brassica oleracea und anderen Brassicaceae in geringer Menge abgegeben werden und für die meisten Insekten ausgesprochen giftig wirken. Besonders die Weibchen werden dadurch zur Eiablage stimuliert. Auch auf das Fressverhalten der Raupen wirken diese Substanzen, wie auch die nach Hydrolyse freigesetzten Isothiocyanate (Senföle, wie Allylisothiocyanat) sehr stimulierend. Sinigrin und verwandte Substanzen werden von den Raupen zudem gespeichert und verleihen auch noch den Imagines einen Schutz vor Freßfeinden (Harborne, 1995).

Bedeutung für den Menschen:

Pieris brassicae kann bei Massenauftreten in Kraut- und Kohlkulturen schädlich werden.

Wissenswertes:

Quellen:

Forster W. & Th.A. Wohlfahrt (1976): Die Schmetterlinge Mitteleuropas, 2, 2. Auflage, Franckh´sche Verlagshandlung, Stuttgart
Harborne, J.B. (1995): Ökologische Biochemie, übersetzt von A. Held, Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg, Berlin, Oxford
Higgins, L. (1975): The Classification of European Butterflies, Collins, London
Higgins L.G. & N.D. Riley (1978): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, übersetzt von W. Forster, 2. Auflage, Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin
Leraut P. (1992): Les papillons dans leur milieu, Bordas
Tolman T. & R. Lewington (1998): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, übersetzt von M. Nuß, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2004.12.25
Kurz Michael: 2005.12.30
Kurz Michael: 2008.12.22
nicht begutachtet