N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Pieris rapae rapae (Linné, 1758)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Papilio rapae Linnaeus, 1758, Syst. Nat., X
Typenfundort: Schweden (festgelegt durch Verity, 1947)
Small White
Petit Blanc du Chou
Kleiner Kohlweißling
Rapaiola
Blanquita de la Col

Habitus:

: Salzburg, Flachgau, Thalgau, 1976.05.16, leg. et coll. Michael Kurz derselbe Falter von der Unterseite : Salzburg, Flachgau, Thalgau, 1977.08.26, leg. et coll. Michael Kurz derselbe Falter von der Unterseite
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
   
: Niederösterreich, Wienerwald, Helenental, Mayerling, 1982.08.23, leg. et coll. Michael Kurz derselbe Falter von der Unterseite    
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
   

Beschreibung:
(untersucht: 2 , 3 )

Spannweite: 43 - 48 mm, 42 - 45 mm
Die Palpen sind klein, weiß, die Augen graubraun. Die 11 - 12 mm langen Fühler sind oben schwarz, zum Teil kreidig weiß beschuppt, unterseits weißbraun, die seitlich flach gedrückte, schwarze Fühlerkolbe besitzt eine weißen Spitze.
Der Körper ist schwarz, unterseits auch kreidig weiß, meist schütter heller behaart. Die Oberseite der Flügel ist kreidig weiß, beim oft ganz leicht gelblich, die Basis aller Flügel mehr oder weniger stark dunkelgrau bestäubt. Der Apex ist dunkelgrau, wobei die dunkle Bestäubung am Außenrand bis R5 oder M1 reicht. Ebenso dunkelgrau sind beim ein mehr oder weniger großer Fleck in der Mitte des Vfl., beim noch ein zweiter darunter, der in den Analrand Richtung Basis ausläuft, sowie ein kleiner Fleck in der Mitte des Costalrandes des Hfl. Die Unterseite des Vfl. ist weiß, der Apex, sowie die Hfl. sind schwach gelblich mit mehr oder weniger starker grauer Bestäubung. Die beiden Flecke am Vorderflügel, die das auf der Oberseite trägt, finden sich bei beiden Geschlechtern auch auf der Unterseite.
Das Abdomen ist schwarz, vor allem auf der Unterseite mehr oder weniger kreidig weiß.

Variabilität:
Neben dem Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern im Farbton und in der Zeichnung der Vfl.-Oberseite, variiert die Art auch zwischen den Generationen. So sind die Sommerformen im Allgemeinen auf der Hfl.-Unterseite weniger stark bis gar nicht grau bestäubt, auch die Ausdehnung der grauen Bestäubung auf der Oberseite an der Basis aller Flügel ist sehr variabel.

Verbreitung:

Die Art ist von den Azoren, Madeira und den Kanarischen Inseln über Nordwestafrika und praktisch ganz Europa von Lappland bis zu den Mittelmeerinseln verbreitet. Darüber hinaus kommt sie im gemäßigten Asien bis Japan vor. In Nordamerika und Australien wurde sie eingeführt.

Lebensweise:

Ein beim Nektar saugen an Trifolium repens Linné in Konkurrenz zu Pieris napi (Linné, 1758): Salzburg, Flachgau, Eugendorf, Sophiensiedlung, 2003.09.04, ID MK-3644 : Salzburg, Flachgau, Eugendorf, Sophiensiedlung, 2002.07.05, ID MK-1163 : Salzburg, Flachgau, Thalgau, Fundstelle 4/12, 2002.08.02, ID MK-1532 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 1999.05.13, ID JG0010-6-1,67
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
 
Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf Zaunschirmwiese, ID JG0010-2-2,87 : 1992.07.01, ID JG0010-Fk,09 Spanien, Galiza, Ourense, Rubia, 2008.08.05  
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: www.flickr.com: © Xisbe
Detailansicht
 

Die Art besiedelte ursprünglich wohl offenes Gelände, ist aber ausgesprochen euryök und kommt als Kulturfolger heute fast überall vor, wo geeignte Futterpflanzen für die Raupen und ausreichende Nektarquellen vorhanden sind.
Die Flugzeit erstreckt sich von März bis November, auf den Kanaren auch ganzjährig, in mehreren Generationen.

Parasitoide
Die Raupen werden häufig von Apanteles-Arten befallen.

Entwicklungsstadien:

     
Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 1998.09.01, ID JG0010-5-1,11      
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
     

Ei:
Die Eier sind kurz nach der Ablage hellgrün, verfärben sich aber nach 2 - 3 Tagen hell grünlichbraun. Das kegelförmige Ei weist (11) 12 - 13 Längsrippen auf, von denen aber nur 7 die Spitze erreichen sollen. Die Eier werden einzeln an die Unterseite von Blättern der Futterpflanzen abgelegt, wobei ein bis zu 150 Eier ablegt. Das Eistadium dauert je nach den klimatischen Verhältnissen nur zwischen 2 (?) und 7, nach eigenen Beobachtungen bis 15 Tagen.

Raupe:
Die frisch geschlüpften Raupen sind rund 3 mm lang, sehr schlank und grau. Ihre Fortbewegung ist spannerartig. Die erwachsene Raupe ist ca. 45 mm lang, schlank, mattgrün bis weißlichgrün, mit feinen gelben Rücken- und Seitenstreifen. Sie ist leicht behaart, die Stigmen sind schwarz. Der Kopf ist rün. Sie häutet sich viermal, bis sie erwachsen ist. Auf Grund ihrer Färbung und Zeichnung ist sie gut getarnt und lebt zudem, wenn möglich, im Herz der Futterpflanze. Raupen sind in Mitteleuropa von Mai bis Oktober zu finden. Nahrungspflanzen sind verschiedene Kreuzblütler (Brassicaceae), aber auch Capparaceae (Capparis spinosa), Tropaeolaceae, Resedaceae und Chenopodiaceae (Atriplex sp.).

Puppe:
(untersucht: 1 -Exemplar)
Die Puppe ist 19 mm lnag und schlank. Sie ist sehr hell grünlich gefärbt, Flügel- und Beinscheiden sind leicht gelblich. Am Kopf, in der Mitte des Thorax und auf beiden Seiten des 2. und 3. Segmentes auf der Rückenseite des Abdomens befindet sich je ein kleiner Höcker, der am Kopf relativ spitz, am Thorax und am Abdomen aber mehr breit ist. Die Puppe überwintert, wobei die Puppenruhe fast 9 Monate betrug. Vor dem Schlüpfen wird die außere Haut durchscheinend, Flügel- und Beinscheiden färben sich weiß.

Diagnose:

Die Art ist äußerst ähnlich Pieris mannii (Mayer, 1851) und von diser habituell nicht immer mit Sicherheit zu unterscheiden. Als verlässlichste Merkmale werden die Ausdehnung des schwarzen Apikalflecks der Vfl.-Oberseite (bei rapae am Außenrand nur bis M1 (M2) reichend, bei mannii aber bis M3 oder Cu1), sowie die graue Bestäubung der Hfl.-Unterseite angegeben: Diese wird bei rapae gegen außen hin spärlicher, ist bei mannii aber gleichmäßig über die ganze Flügelfläche verteilt. Auch ist die Form und Lage des 1. Diskaflecks am Vfl. charakteristisch: Dieser ist bei rapae mehr rundoval mit konkaver distaler Begrenzung (gegenüber rechteckig oder halbmondförmig), meist kleiner, mit größerem Abstand zum Außenrand. Sehr ähnlich kann Pieris ergane (Geyer,l 1828) sein, die aber praktisch immer am Fehlen der Diskalflecke auf der Vfl.-Unterseite zu erkennen ist. Ebenfalls ähnlich ist Pieris canidia Sparrman, mit allerdings viel größeren schwarzen Zeichnungselementen auf der Oberseite, während Pieris napi und Pieris pseudorapae Verity im Allgemeinen leicht an der dunklen Bestäubung der Adern auf der Hfl.-Unterseite erkannt werden können.

Im -Genitalapparat sind die Valven bei rapae etwas gerundeter, der Aedoeagus ist etwas kürzer als bei mannii.

Eine detaillierte Zusammenfassung aller Unterschiede zwischen den Arten, auch bezüglich Zoogeographie, Biologie und Physiologie findet sich bei Ziegler & Eitschberger, 1999.

Genetik:

Chromosomenzahl (haploid): 25 (Higgins, 1975)

Bedeutung für den Menschen:

Pieris rapae ist einer der bedeutendsten Schädlinge in Kraut- und Kohlkulturen.

Wissenswertes:

Quellen:

Forster W. & Th.A. Wohlfahrt (1976): Die Schmetterlinge Mitteleuropas, 2, 2. Auflage, Franckh´sche Verlagshandlung, Stuttgart
Higgins, L. (1975): The Classification of European Butterflies, Collins, London
Higgins L.G. & N.D. Riley (1978): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, übersetzt von W. Forster, 2. Auflage, Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin
Leraut P. (1992): Les papillons dans leur milieu, Bordas
Tolman T. & R. Lewington (1998): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, übersetzt von M. Nuß, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart
Ziegler, H. & U.Eitschberger (1999): Der Karstweißling Pieris mannii (Mayer, 1851). Systematik, Verbreitung, Biologie (Lepidoptera, Pieridae), Neue Ent. Nachr., 45, p. 1 - 217

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2004.12.25
Kurz Michael: 2007.04.26
Kurz Michael: 2008.11.01
nicht begutachtet