N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Plebejus argus argus (Linné, 1758)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Papilio argus Linnaeus , 1758, Syst. Nat.., X
Typenfundort: Südschweden (festgelegt durch Verity, 1947)
Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Papilio aegon [Denis & Schiffermüller], 1775, Ankündigung eines systematischen Verzeichnisses der Schmetterlinge der Wiener Gegend

Silver-studded Blue
L´Azuré de l´Ajonc
eigentlicher Geißkleebläuling
Nina hocecillas

Habitus:

Variabilität:
Geringe Unterschiede in Größe, Färbung und Zeichnung führten zur Beschreibung zahlreicher Unterarten und Formen. Besonders die variable Oberseitenbestäubung der Weibchen, sowie die je nach Substrat variierende Färbung der Unterseite (eher dunkler auf Mooren und Heiden, eher heller auf Karbonatuntergrund) trugen dazu bei.

Verbreitung:

Die Verbreitung erstreckt sich von Nord- und Ostspanien über den Großteil Europas mit Ausnahme des Nordwestens und des Nordens bis in die Europäische Türkei. Die Höhenverbreitung reicht von Meeresniveau bis über 1500 m Höhe

Lebensweise:

Die Falter beim Sonnenbad: Abruzzo, Gran Sasso d´Italia, Campo Imperatore, 1400 m, 2005.07.06 Burgenland, Neusiedlersee, Winden Umgebung, Ludl-Loch, 2003.08.13, ID MK-2911 Steiermark, Kleingraben Wiese, 2000.06.28, ID JG0010-JG,12-2,09 Steiermark, Mittelst.B., Umg.Rein, Mühlbachgraben Lechnerhofwiese, 2000.07.27, ID JG0010-JG,13-2,34
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Steiermark, Mittelst.B., Umg.Rein, Mühlbachgraben Lechnerhofwiese, 2000.07.27, ID JG0010-JG,13-2,35 Steiermark, Mittelst.B., Umg.Rein, Mühlbachgraben Lechnerhofwiese, 2000.07.27, ID JG0010-JG,13-2,36 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2003.07.09, ID JG0010-JG,19-2,61 Steiermark, Kleingraben Wiese, 2001.06.30, ID JG0010-JG,17-1,19
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Steiermark, Kleingraben Wiese, 2002.08.09, ID JG0010-JG,19-1,04 Steiermark, Kleingraben Wiese, 2002.08.09, ID JG0010-JG,19-1,07 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2003.08.21, ID JG0010-JG,19-2,82 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2003.08.21, ID JG0010-JG,19-2,85
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2003.08.21, ID JG0010-JG,19-2,87 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2003.08.22, ID JG0010-JG,19-2,96 Steiermark, Kleingraben Wiese, 2004.06.11, ID JG0010-JG,D00,948 Steiermark, Kleingraben Wiese, 2004.06.11, ID JG0010-JG,D00,950
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
Bild von: © Gillmann Johannes
Detailansicht
   
Marche, Ascoli Piceno, Monti Sibillini, Forca Canapine, 1500 m, 2005.06.22 derselbe Falter: Marche, Ascoli Piceno, Monti Sibillini, Forca Canapine, 1500 m, 2005.06.22    
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
   

Die Art scheint auf den ersten Blick recht euryök zu sein, da sie sowohl Moore und Heiden als auch Kalkmagerrasen und Karstgebiete besiedelt. Sie fehlt aber in den meisten übrigen Lebensräumen und die Gemeinsamkeit der beiden genannten Ökotypen dürfte in ihrer Kurzrasigkeit liegen. Dadurch erhalten die Raupen während ihrer Entwicklung eine hohe Sonneneinstrahlung. Ein ähnliches Ökotypmuster ist auch von vielen anderen Arten bekannt, besonders aus der Familie der Psychidae. Je nach der Höhenlage und der geographischen Breite fliegen die Imagines in ein oder zwei Generationen (Juni bis August bzw. Mai, Juni und Juli bis September).

Entwicklungsstadien:

Ei:
Die Eier werden einzeln abgelegt und sind flach gedrückt kugelig. Ihre Oberfläche ist weiß, ohne Glanz und mit perlschnurartigen Längsrippen bedeckt. Das Ei überwintert.

Raupe:
Die Raupe ist vergleichsweise schlank und grün bis rotbraun mit schwarzem Kopf. Der Rückenstreifen ist violettrot, beiderseits weiß eingefasst, die Seitenstreifen sind hell. Die Raupe lebt je nach Lebensraum auf verschiedenen Fabaceae und Helianthemum-Arten. Sie ist ausgesprochen myrmekophil und lebt oft in Symbiose mit Lasius niger, Lasiu alienus und angeblich auch Formica cinerea. Die erwachsenen Raupen werden von den Arbeiterinnen in die Ameisennester gebracht, wo sie sich im Schutz der Wirte verpuppen.

Puppe:
Die Puppe ist hellgrün und besitzt eine karminbraune Rückenlinie.

Anatomie:

Beide Geschlechter weisen an der Vorder- und der Mitteltibie je einen deutlichen Dorn auf, der selten auch rückgebildet sein kann.

Diagnose:

Die ssp. aegidion Meisner, 1818, die in den Hochlagen der Alpen von rund 1500 bis gegen 2400 m Höhe vorkommt, weist bei den einen breiteren schwarzen Rand auf der Oberseite auf, bei den sind die orangen Submarginalpunkte der Oberseite reduziert und meist nur auf den Hfl. ausgebildet. Die ssp. caernensis Thompson, 1941 aus dem Süden Großbritanniens ist klein mit oberseits intensiv blauen , oft ausgedehnt blau bestäubten und weißlicher Unterseite. Die ssp. hypochionus aus dem Westen und Süden der Iberischen Halbinsel ist meist größer als die typische Unterart, bei den ebenfalls intensiv blau auf der Oberseite und auf der Unterseite kreideweiß. Bei den sind die orangen Submarginalflecke der Oberseite im Allgemeinen sehr gut entwickelt. Die ssp. corsicus, die lokal auf Korsika fliegt, unterscheidet sich von typischen argus durch etwas hellere Unterseite der , bei denen auch die sonst orangen Submarginalflecke der Hfl.-Unterseite gelblich aufgehellt sind, sowie mit gewöhnlich gut entwickelter blauer Bestäubung der Oberseite.

P. argus ist der kleinste der sogenannten "Silberfleck-Bläulinge" in Europa (nach den blau metallisch leuchtenden Silberflecken am Rand der Hfl.-Unterseite) und ist von den sehr ähnlichen Arten Plebejus idas (Linné, 1761) und Plebejus argyrognomon (Bergsträsser, 1779) mit Sicherheit oft nur durch Genitaluntersuchung zu unterscheiden. Die von argus besitzen im Allgemeinen aber einen deutlich breiteren schwarzen Flügelrand auf der Oberseite, beide Geschlechter weisen zudem meist einen Dorn an Vorder- und Mitteltibie auf, der den beiden anderen Arten fehlt

Im -Genitalapparat ist argus von den beiden anderen genannten Arten am leichtesten durch die kräftige Bedornung des distalen Randes der Valven zu unterscheiden (deutlich sichtbar nur im Quetschpräparat).

Genetik:

Chromosomenzahl (haploid): 23 (Higgins, 1975)

Wissenswertes:

Quellen:

Forster W. & Th.A. Wohlfahrt (1976): Die Schmetterlinge Mitteleuropas, 2, 2. Auflage, Franckh´sche Verlagshandlung, Stuttgart
Higgins, L. (1975): The Classification of European Butterflies, Collins, London
Higgins L.G. & N.D. Riley (1978): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, übersetzt von W. Forster, 2. Auflage, Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin
Leraut P. (1992): Les papillons dans leur milieu, Bordas
Stettmer Ch., M. Bräu, P. Gros & O. Wanninger (2006): Die Tagfalter Bayerns und Österreichs; Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege
Tolman T. & R. Lewington (1998): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, übersetzt von M. Nuß, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2005.01.31
Kurz Michael: 2006.08.12
nicht begutachtet