N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Micropterix aureoviridella (Höfner, 1898)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Eriocephala aureoviridella Höfner, 1898: Soc.Ent. 13, p. 73
Typenfundort: Österreichische Alpen, Kärnten, Petzen bei Bleiburg
Typus: ?, vermutlich im Museum in Klagenfurt

Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Micropterix liogierella Réal, 1987: C.L.E.R.J, p. 377 - 378

Habitus:

 
: Salzburg, Flachgau, Thalgau, Schober, Fundstelle 8/155, 1988.06.17, coll. Michael Kurz : Salzburg, Pongau, Hochkönig, Kaserfeld-Mandlwand, 1750 m, 1994.07.02, coll. Michael Kurz : Salzburg, Pongau, Hochkönig, Kaserfeld-Mandlwand, 1750 m, 1994.07.02, coll. Michael Kurz  
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Schema der Flügelzeichnung:

Beschreibung:
(untersucht: 10 , 27 )
Vfl.-Länge: 3,4 - 3,9 mm; 3,6 - 4,7 mm
Spannweite: 6,9 - 7,9 mm; 7,2 - 9,4 mm

Kopf schwarzbraun; Kopfhaare rostgelb bis schmutzigweiß; Fühler beim 4/5, beim 4/7, goldbraun, an der Basis purpurn
Thorax golden, caudal purpurviolett; Tegulae bronzegolden bis purpurviolett, im hinteren Teil bläulich; Vfl. bronzegolden bis rötlichgolden, nahe der Basis an der Costa öfter ein purpurvioletter Fleck, basal und zwischen den Binden in der oberen Flügelhälfte purpurn gemischt, zum Teil auch vollständig purpurn bis purpurviolett; Innenrand bis zur Flügelmitte breit golden bis bronzegolden, Zeichnung mehr oder weniger verschwommen silbriggolden bis golden, verschwommen golden bis bronzegolden begrenzt: eine Binde bei 1/5 von der Costa über die halbe Flügelbreite bis zum goldenen Innenrand, gelegentlich nur schwach entwickelt; eine schmälere, gebogene Binde bei 1/2 über die gesamte Flügelbreite, im oberen Drittel oft eingeschnürt, gelegentlich fast vollständig unterbrochen; ein länglicher, mehr oder weniger großer Fleck bei 3/4, meist weder Costa noch Innenrand berührend; ein kleiner bronzegoldener Costalfleck bei 3/5 ist gelegentlich sehr verschwommen angedeutet; Fransen bronzegolden bis weißlich bronzegolden; Hfl. bronzegolden, mehr oder weniger stark purpurn überhaucht; Fransen hell bronzegolden; Beine und Abdomen bräunlich, golden glänzend.

Variabilität:
Zwei der untersuchten sind relativ stark purpurn bestäubt, ein drittes fast vollständig purpurn bis purpurviolett in der Grundfarbe. Ein unterscheidet sich von der allgemeinen Beschreibung durch etwas dunkler purpurne Bestäubung und stark entwickelte, recht deutlich kontrastierende, mehr goldene Binden.

Der Name aureoviridella, wie auch die in der Literatur meist übliche Beschreibung (goldgrün) sind etwas irreführend, da die Tiere meist rötlichgolden gefärbt sind und nicht selten eine mehr oder weniger ausgedehnte Purpurbestäubung aufweisen, auf die allerdings bereits Höfner in der Originalbeschreibung hinweist (Höfner, 1898).

Verbreitung:

Nach bisheriger Kenntnis kommt die Art in den nördlichen und südlichen Kalkalpen, sowie in den Mittelgebirgen (Deutschland: Harz; Schweiz, Frankreich: Jura [liogierella Réal, 1987]) vor. Eine Serie von Weibchen von der Mala Kapela in Kroatien, die unlängst zweifelhaft dieser Art zugerechnet wurden (Zeller, Kurz & Kurz 2002), gehört nach neueren Untersuchungen höchstwahrscheinlich zu Micropterix amsella Heath, 1975. Laut Karsholt und Razowski (1996) findet sich die Art auch in Italien, Österreich, Polen, Slowakei und Griechenland. Die Angabe aus Griechenland erscheint uns aber fragwürdig.

Lebensweise:

Ein Wald- und Gebüschrand der montanen Zone: Salzburg, Trattberg, Enzianhütte, 2004.07.04 An einer einzelnen Blüte von Rosa pendulina fanden sich hier neben M. aruncella noch M. aureoviridella und M. aureatella: Vorarlberg, Brandnertal, Böser Tritt, 1700 m, 2004.07.30 Salzburg, Untersberg, Unteres Rosittental, 2010.07.03 Die Tiere fressen gerne auch an den Pollen von Pinus mugo: Vorarlberg, Rätikon, Lünersee, Douglashütte Umgebung, 2000 m, 2004.07.30
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Die Art wurde bisher vor allem auf basischen Böden (Carbonatuntergrund) in Höhenlagen von 900 - 2000 m gefunden. Sie bevorzugt offene, auch trockenere Habitate in südseitigen, felsdurchsetzten Grashängen am Rande lichter Fichtenwäder (Bodenbewuchs neben Gräsern vor allem Mercurialis perennis), Wald- und Gebüschränder in der montanan Zone, sowie in der Krummholzzone (Vegetation: Pinus mugo, Rhododendron hirsutum, Vaccinium myrtillus, Erica carnea, Juniperus communis alpina, u.a.). Hier fressen die Falter an blühenden Latschenbüschen. Gefunden wurde die Art aber auch auf einer subalpinen Zwergstrauchheide. Entsprechend der Höhenlage erscheinen die Imagines erst meist ab Ende Mai, Anfang Juni und fliegen bis Juli.

Entwicklungsstadien:

Die Entwicklungsstadien sind unbekannt.

Anatomie:

, Cuticula, schematisiert -Genitalapparat, Präp.-Nr. 778, M.Kurz: Salzburg, Hohe Tauern, Habachtal, Gasthaus Enzian Umgebung, 2004.07.17, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präp.-Nr. 305, M.Kurz: "n.Kalkvoralpen; Thalgau / Sbg. 8/155; Schober 1000 m; 17.6.1988; 18.35 MEZ; leg.M.K.", coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Aedoeagus in stärkerer Vergrößerung, Präp.-Nr. 325, M.Kurz: "Austria superior; Gr. Pyhrgas; 1600 m, 22.6.1940; J.Klimesch", coll. Zoologische Sammlung des Bayerischen Staates, München
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, Cuticula, schematisiert -Genitalapparat, Präp.-Nr. 810, M.Kurz, Kalilaugenpräparat: Osttirol, Glocknergruppe, Kals, Moar Alm, 1800 - 2000 m, 2002.06.27, leg. Helmut Deutsch, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präp.-Nr. 810, M.Kurz, Dauerpräparat: Osttirol, Glocknergruppe, Kals, Moar Alm, 1800 - 2000 m, 2002.06.27, leg. Helmut Deutsch, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präp.-Nr. 282, M.Kurz: "Fürstenbrunn [Salzburg, Untersberggebiet, Grödig, Veitlbruch]; 26.6.1971; SALZBURG; MAIRHUBER", coll. Haus der Natur, Salzburg
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Beschreibung:
(untersucht: 2 , 6 )

:
Cuticula:
Tergite 3 - 8 mit typischer Verbreiterung des kopfwärtigen Randes im Mittelteil und fast glatten Seitenrändern; Sternite 3 - 5 mit fransigen, 6 und 7 mit glatten Rändern, 7. Sternit mit verschmälertem Mittelteil; 8. Sternit stark reduziert und in zwei schmale, längliche, nicht zusammenhängende Plättchen geteilt; Sternite 3 - 5 am caudalen Rand, 7. Sternit und Tergite 6 - 8 am cephalen Rand mit einer stärker chitinisierten Querleiste.
Genitalapparat:
Uncus mäßig lang, deutlich abgesetzt, gedrungen; am Unterrand ausgebaucht mit einem Borstenfeld; akzessorische Klammerorgane gut entwickelt, im Umriß annähernd dreieckig, am unteren Rand in der vorderen Hälfte mit einer Reihe zahlreicher, mäßig langer, zum Teil differenzierter Stacheln, sowie nach innen gerichteter, annähernd Y-förmiger Stacheln; Valven mäßig lang, breit, im Mittelteil deutlich verschmälert, distales Ende stark nach oben gebogen; an der Innenseite einige postbasale Borsten, am Unterrand des distalen Endes an der Innenseite zwei unregelmäßige Reihen zahlreicher kürzerer Stacheln, sowie eine Mittelreihe längerer Borsten; Aedoeagus gattungstypisch.

:
Cuticula:
Ohne auffallende Sonderbildungen; lediglich die Tergite 3 und 4 weisen eine deutliche Ausbuchtung des cephalen Randes im Mittelteil auf; Sternite 3 - 6 mit stärker chitinisierter Querleiste am caudalen Rand; die seitlichen Ränder aller Sklerite sind sehr unregelmäßig fransig (beim 8. Segment nur undeutlich zu erkennen); 9. Tergit fehlend; 9. Sternit atrophiert, in der Mitte 1/3 normaler Breite, seitlich davon lappenförmig etwas verbreitert, etwas variabel, wenig charakteristisch; caudaler und cephaler Rand scharf; seitlicher Rand eingebuchtet, nur verschwommen begrenzt.
Genitalapparat:
Analpapillen mit gut sklerotisiertem, aber wenig charakteristischem Band: caudaler Rand gerade, cephaler Rand leicht gewellt; Ductus seminalis kurz; Receptaculum seminis klein, am Ansatz des Ductus seminalis etwas erweitert, dann schmal, cephale Hälfte sackförmig erweitert, mit gattungstypischer, wenig auffallender Querstreifung; am unteren Ende ein dünner Fortsatz.

Diagnose:

M. aureoviridella, : Salzburg, Pongau, Hochkönig, Kaserfeld-Mandlwand, 1750 m, 1994.07.02, coll. Michael Kurz M. aglaella, : Frankreich, Alpes de Haute-Provence, Station de Lure, 1999.07.13, leg. Speidel, coll. Speidel M. paykullella, : Frankreich, Alpes Maritimes, Nizza Umgebung, La Turbie, 1962.05, leg. Klimesch, coll. Zoologische Sammlung des Bayerischen Staates, München M. amsella : Montenegro, Herceg-Novi, Igalo, 2003.05.02, leg. Zeller & Kurz, coll. Christof Zeller
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Micropterix facetella, : Kroatien, Dalmatien, Dubrovnik Umgebung, Cilipi, Komaji, 2003.05.03, coll. Christof Zeller M. aureatella aureatella, : ALPENVORLAND; Thalgau/Sbg. 6/3;20.5.1989; 12.40-14.05 h; leg. M.K, coll. Michael Kurz M. aureoviridella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 778, M.Kurz: Salzburg, Hohe Tauern, Habachtal, Gasthaus Enzian Umgebung, 2004.07.17, coll. Michael Kurz M. aglaella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 4323, J. Wimmer: Spanien, Gerona, Vidreras, 6. - 15.6.1993, leg. J.Wimmer, coll. J.Wimmer
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M. paykullella, -Genitalapparat(zeichnungslose Form), Präp.-Nr. 741, M.Kurz: Frankreich, Alpes Maritimes, Marguareis, Fundstelle 1, 2000.07.22, leg. Hausenblas und Zeller, coll. Michael Kurz M. amsella -Genitalapparat, Präp.-Nr. 958, M. Kurz: Montenegro, Niksic, Golija, Vrh Caradje, 2011.06.10, leg. Kurz & Kurz, coll. Michael Kurz M. facetella -Genitalapparat, Präp.-Nr. 956, M. Kurz: Kroatien, Dalmatien, Dubrovnik, zwischen Trsteno und Majkovi, 2003.05.03, leg. Zeller & Kurz, coll. Michael Kurz M. aureatella aureatella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 202, Ch. Zeller: Austria, Salzburg, Flachgau, Eugendorf, Unzing, Wörlemoos, 2003.05.17, leg. Hausenblas & Zeller, coll. Christof Zeller
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Bild von: © Zeller Christof
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M. aureoviridella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 810, M.Kurz: Osttirol, Glocknergruppe, Kals, Moar Alm, 1800 - 2000 m, 2002.06.27, leg. Helmut Deutsch, coll. Michael Kurz M. aglaella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 597 M.Kurz: Frankreich, Alpes de Haute-Provence, Gap, Tallard, 1962.05, leg. J.Klimesch, coll. Michael Kurz M. paykullella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 811, M.Kurz: Piemont, Cuneo, Bersezio, 1973.07.21, leg. J.Klimesch, coll. Michael Kurz M. amsella -Genitalapparat, Präp.-Nr. 960, M. Kurz: Montenegro, Herceg-Novi, Igalo, 2003.05.02, leg. Zeller & Kurz, coll. Michael Kurz
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M. facetella -Genitalapparat, Präp.-Nr. 957, M. Kurz: Montenegro, Herceg-Novi, Igalo, 2003.05.02, leg. Zeller & Kurz, coll. Michael Kurz M. aureatella aureatella, -Genitalapparat, Präp.-Nr. 808, M.Kurz: Austria, Vorarlberg, Brandnertal, Böser Tritt, 1700 m, 2004.07.30, leg. Puchmayr & Kurz, coll. Michael Kurz    
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Micropterix aureatella Scopoli, 1763 ist mehr purpurviolett (nicht so rötlich), hat keinen goldenen Innenrand und weist viel deutlicher begrenzte, mehr goldfarbene Binden auf. Micropterix aruncella Scopoli, 1763 ist durchschnittlich deutlich kleiner und selten so rötlich wie M. aureoviridella Höfner. Die Binden sind bei den nicht golden umrahmt, bei den fehlen sie völlig. Von Micropterix facetella Zeller, 1850 unterscheidet sich aureoviridella unter anderem durch das Fehlen des kleinen Costalflecks bei 3/5.

Sehr ähnlich sind Micropterix aglaella (Duponchel, 1838) und vor allem Micropterix paykullella (Fabricius, 1794), sodass zur Unterscheidung von diesen Arten eine Genitaluntersuchung notwendig sein kann.

Wissenswertes:

Quellen:

Heath, J. in Karsholt, O & J. Razowski (1996): The Lepidoptera of Europa. A distributional checklist, Apollo-Books, Stenstrup
Höfner, G. (1898): 3 neue Schmetterlingsarten; Soc.Ent. XIII (9/10), p. 1 - 6
Zeller-Lukashort, H.C., M. E. Kurz & M. A. Kurz (2002): Neue Funddaten von Arten der Gattung Micropterix Hübner, [1825] (Lepidoptera: Micropterigidae).

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2001.02.16
Zeller Christof: 2006.03.05
Kurz Marion: 2006.03.05
Kurz Michael: 2010.01.20
Kurz Michael: 2011.07.01
Kurz Michael: 2012.03.28
Kurz Michael: 2017.07.13
nicht begutachtet