N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Micropterix schaefferi Heath, 1975

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Micropterix schaefferi Heath, 1975: Ent.Gaz. 26, p. 253 -254., fig. 1, 2
Typenfundort: Oberösterreich, Linz
Typus: Holotypus : Oberösterreich, Linz, 25.IV.1934, J.Klimesch (Genitaluntersuchung J.Heath No. 213); in coll. J.Heath (jetzt coll. BMNH, London)

Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Micropteryx anderschella Herrich-Schäffer, 1851; Syst.Bearb.Schmett.Eur., 5: p.392, pl. 1, fig. 4 (sekundäres Homonym)
Micropteryx ammanella auct. nec Hübner, [1813]

Habitus:

 
: Salzburg, Hohe Tauern, Stubachtal, Enzingerboden, 1500 m, 1994.05.13, coll. Michael Kurz : Salzburg, Radstädter Tauern, Lungau, Tweng, Rauchwand, 1450 m, 1994.06.18, coll. Michael Kurz : Niederösterreich, Wachau, Melk Umgebung, Grimsing, 1989.05.05, coll. Michael Kurz  
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Schema der Flügelzeichnung:

Beschreibung:
(untersucht: 25 , 27 )
Vfl.-Länge: 3,8-5,1 mm; 4,7-5,8 mm
Spannweite: 8,3-10,4 mm; 9,8-12,0 mm
Kopf schwarz, Kopfhaare bräunlichgelb, gelb, weißlichgelb bis matt graugelb; Fühler dunkelbraun, goldglänzend, beim 3/4, beim knapp über 1/2;
Thorax dunkel- bis bronzegolden, Tegulae bronzegolden, purpurn bis purpurviolett gemischt; Vfl purpur bronzegolden bis tief blauviolett mit weißlichgoldener bis goldener, fein bronzegolden begrenzter Zeichnung: Innenrand bis zur Flügelmitte breit bronzegolden, im basalen Teil eingesprengt ein länglicher Fleck in der Grundfarbe; Apex (mit Ausnahme der Flügelspitze) und Außenrand hell bronzegolden; bei 3/4 ein kleiner, weißgoldener, oft nicht deutlicher Fleck am Innenrand, in die apikale Goldbestäubung eingebettet; eine an der Costa schmale, dann breite Binde bis zum Goldstreifen am Innenrand bei fast 1/4; eine breite, dorsal etwas schmälere, nach außen gebogene Binde bei 1/2; eine sehr breite Binde bei 3/4 von der Costa etwas schräg nach innen, die Goldbestäubung am Außenrand nicht erreichend; ein kleiner Costalfleck bei 2/3, oft mit der äußeren, gelegentlich auch mit der Mittelbinde verbunden; alle Binden sind schmal bronzegolden umrahmt; Fransen weißlichgolden, an der Basis bronzegolden bis purpurn; Hfl dunkel bronzegolden, mehr oder weniger stark purpurn bestäubt; Fransen hell bronzegolden; Beine hell bräunlichgolden; Abdomen braun, goldglänzend.

Variabilität:
Der Grundton der Vorderflügel, wie auch Ausbildung und Farbton der Binden (meistens weißlichgolden) sind etwas veränderlich. Dabei sind die durchschnittlich stärker purpurviolett gefärbt, mit schmaleren, regelmäßigeren Binden. Die Binde bei 1/4 erreicht bei ihnen nicht immer die Costa oder ist unmittelbar danach gelegentlich fast unterbrochen. Ein weicht durch besonders tief blauviolette Grundfarbe und dunkelgoldene, verkleinerte Zeichnungselemente vom Durchschnitt ab.

Verbreitung:

Nach Heath, 1975 ist folgende Verbreitung gesichert: Ungarn, Österreich, Deutschland, Schweiz, Frankreich (mit Korsika), Italien, Yugoslawien, Tschechien, Slowakei, Polen. Darüber hinaus wurde die Art lokal in Belgien, Dänemark und auf dem Balkan festgestellt. Ältere Angaben für Kleinasien (Ad.Meeß in Spuler, 1910; Meyrick, 1912) sind zweifelhaft, da sie auf Verwechslungen beruhen dürften. Karsholt & Razowski (1996) melden die Art für Frankreich, Korsika, Italien, Belgien, Niederlande, Deutschland, Schweiz, Österreich, Polen, Tschechien, Jugoslawien, Bulgarien und Dänemark.

Lebensweise:

Salzburg, Osterhorngruppe, St. Kolomann, vom Seewaldsee zur Enzianhütte, 2008.05.11 Steiermark, Nördliche Voralpen, Umgebung Mariazell, Hubertussee Umgebung, 2004.06.07 Salzburg, Osterhorngruppe, Fuschl am See, Kleiner Kapelle, 2005.05.01 Salzburg, Hohe Tauern, Gasteiner Tal, Höhenweg, 2007.04.29
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Die Art bewohnt lichte Buchen- und Koniferenmischwälder, sie kommt aber auch sowohl an sehr feuchten Stellen (Eschen-Schluchtwald), als auch an trockenen Stellen (Schneeheide-Kiefernwald) vor. Fast immer findet sich an den Flugstellen eine Krautschicht, die in Mitteleuropa beispielsweise aus Gräsern, Mercurialis perennis und Dentaria enneaphyllos, an trockeneren Stellen aus Erica carnea, in der Krummholzzone im Gebirge vor allem aus Vaccinium-Arten besteht. Aber auch auf Kahlschlägen, im Brombeergestrüpp und an sonnigen Waldrändern ist schaefferi zu finden, während sie dichtere Wälder, vor allem Fichtenwälder ohne Unterwuchs meidet.

Entwicklungsstadien:

Die Entwicklungsstadien sind unbekannt.

Anatomie:

, Cuticula, schematisiert -Genitalapparat, Präparat-Nr. 715 M.Kurz: Lombardei, Umgebung Como, Nähe Cavargna, 1997.05.03, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präp.-Nr. 601, M.Kurz: Toscana, Lucca, nahe Castelnuovo di Garfagnana, Filippi, 1993.05.14, leg. Hausenblas/Zeller/Kurz, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präp.-Nr. 255, M.Kurz: "Kasern, Fasanhügel; 15.5.1972; Salzburg Austria; leg. Fritz Mairhuber", coll. Haus der Natur, Salzburg
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-Genitalapparat, Aedoeagus in stärkerer Vergrößerung, Präp.-Nr. 255, M.Kurz: "Kasern, Fasanhügel; 15.5.1972; Salzburg Austria; leg. Fritz Mairhuber", coll. Haus der Natur, Salzburg , Cuticula, schematisiert -Genitalapparat, Präparat-Nr. 361, M.Kurz: Salzburg, Alpenvorland, Bürmoos, Roding, 1987.04.26, leg. H.Nelwek, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präparat-Nr. 260, M.Kurz: Salzburg, Pongau, Wagrain, Floitensberg, 1984.06.10, leg. Kurz, coll. Michael Kurz
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-Genitalapparat, Präp.-Nr. 361, M.Kurz: "Roding; 26.04.1987; NELWEK", coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Receptaculum seminis in stärkerer Vergrößerung, Präp.-Nr. 361, M.Kurz: "Roding; 26.04.1987; NELWEK", coll. Michael Kurz    
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Beschreibung:
(untersucht: 5 , 4 )

:
Cuticula:
2. Segment gattungstypisch; Tergite 3 - 7 mit deutlich abgesetzter Verbreiterung und Modifizierung des kopfwärtigen Randes; 7. Tergit leicht reduziert; 8. Tergit deutlich reduziert, vor allem in der Mitte verschmälert, wie die Tergite 6 und 7 mit einer stärker chitinisierten Querleiste; Sternite 3 - 6 ohne Sonderbildungen, 7. Sternit etwas verschmälert; 8. Sternit zu zwei kleinen, dreieckigen Chitinplättchen reduziert; alle Segmente mit annähernd glatten Seitenrändern.
Genitalapparat:
Uncus relativ lang, schlank, abgeflacht; akzessorische Klammerorgane breit, am unteren Rand mit einer Reihe längerer, z.T. gebogener Stacheln, sowie einer kürzeren Reihe stark modifizierter, annähernd Y-förmiger, kurzer Stacheln; Valven lang, etwas spatelförmig, in der Mitte verschmälert, am Ende deutlich nach oben gebogen; an der Innenseite mit einer größeren Gruppe basaler Borsten, sowie im distalen Drittel mit einer unregelmäßigen Reihe kürzerer Stacheln am Unterrand und einer Reihe langer, biegsamer Borsten in der Mitte der Innenflächen; Aedoeagus ohne Sonderbildungen.

:
Cuticula:
2. Segment gattungstypisch; Tergite 3 und 4 mit stärker, 5 - 7 mit nur leicht modifizierten cephalen Rändern; 8. Tergit, wie die Sternite 4 - 8 ohne auffallende Sonderbildungen, Sternite 3 - 5 aber caudal mit einer stärker chitinisierten Querleiste; 3. Sternit mit seitlichen Einschnitten; 9. Tergit fehlend; 9. Sternit stark reduziert, in der Mitte stark verschmälert, mit undeutlichen seitlichen Rändern, ähnlich wie bei Micropterix osthelderi Heath, 1975; alle Sklerite mit leicht fransigen seitlichen Rändern.
Genitalapparat:
Analpapillen mit bandförmiger, in der Mitte etwas verbreiterter Sklerotisierung, aber wenig charakteristisch; Ductus seminalis am Ansatz des Receptaculum seminis auf einer kurzen Strecke gerade und dünn; Receptaculum seminis kurz und etwas gedrungen, unterer Teil sackförmig erweitert, mit gattungstypischer Querstreifung und einem dünnen Fortsatz am cephalen Ende.

Diagnose:

M. schaefferi : Austria, Salzburg, Hohe Tauern, Stubachtal, Enzingerboden, 1500 m, 1994.05.13, leg. Kurz & Kurz, coll. Michael Kurz M. osthelderi : Bavaria, Nationalpark Berchtesgaden, Klausbachtal, 900 m, 2002.05.02, leg. Alfred Haslberger, coll. Michael Kurz M. facetella : Kroatien, Dalmatien, Nähe Dubrovnik, Cilipi, Komaji, 2003.05.03, leg. Christof Zeller & Michael Kurz, coll. Michael Kurz M. vulturensis : Abruzzo, Gran Sasso d´Italia, Campo Imperatore, Vado di Sole, 1993.05.24, leg. Hausenblas, Zeller, Kurz, coll. Michael Kurz
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M. zangheriella : Emilia Romagna, Nähe Lizzano in Belvedere, 800 m, 2002.06.01, leg. Renate Hausenblas und Christof Zeller, coll. Christof Zeller M. schaefferi -Genitalapparat, Präp.-Nr. 715, M. Kurz: Lombardia, Umgebung Como, Nähe Cavargna, 1997.05.03, leg. H/Z/K, coll. Michael Kurz M. osthelderi -Genitalapparat, Präp.-Nr. 789, M. Kurz: Bavaria, Nationalpark Berchtesgaden, Klausbachtal, 900 m, 2002.05.02, leg. Alfred Haslberger, coll. Michael Kurz M. facetella -Genitalapparat, Präp.-Nr. 956, M. Kurz: Kroatien, Dalmatien, Nähe Dubrovnik, zwischen Trsteno und Majkovi, 2003.05.03, leg. Zeller & Kurz, coll. Michael Kurz
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M. vulturensis -Genitalapparat, Präp.-Nr. 550, M. Kurz: Abruzzo, Montagna della Maiella, la Maielletta, 1992.07.15, leg. Kurz & Kurz, coll. Michael Kurz M. zangheriella -Genitalapparat, Präp.-Nr. 944, M. Kurz: Toscana, Firenze, Marradi, Badia Valle, 430 m, 1997.05.13, coll. Museo Friulano M. schaefferi -Genitalapparat, Präp.-Nr. 361, M. Kurz: Salzburg, Alpenvorland, Bürmoos, Roding, 1987.04.26, leg. H. Nelwek, coll. Michael Kurz M. osthelderi -Genitalapparat, Präp.-Nr. 762, M. Kurz: Nordtirol, Stubaier Alpen, Gschnitz, 1300 m, 1918.07.10, leg. Koschabek, coll. Zoologische Sammlung des Bayrischen Staates, München
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M. facetella -Genitalapparat, Präp.-Nr. 957, M. Kurz: Montenegro, Herceg-Novi, Igalo, 2003.05.02, leg. Zeller & Kurz, coll. Michael Kurz M. vulturensis -Genitalapparat, Präp.-Nr. 951, M. Kurz: Abruzzo, Montagna della Maiella, la Maielletta, 1992.07.15, leg. Kurz & Kurz, coll. Michael Kurz M. zangheriella -Genitalapparat, Präp.-Nr. 954, M. Kurz: Emilia Romagna, Nähe Lizzano in Belvedere, 760 m, 2002.05.30, leg. C. Zeller, coll. Michael Kurz  
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Micropterix schaefferi Heath, 1975 ist durch die goldene Innenrandsbestäubung und den Costalfleck bei 2/3 habituell recht gut charakterisiert: Micropterix osthelderi Heath, 1975 weist eine viel ausgedehntere goldene Bestäubung der Vfl.-Basis auf, bei Micropterix facetella Zeller, 1851 fehlt oft die Goldbestäubung an Apex und Außenrand. Im -Genitalapparat ist facetella etwas ähnlich, unterscheidet sich aber durch einen längeren Uncus, deutlich abgesetzte, schmälere akzessorische Klammerorgane und nur drei basale Borsten an der Innenseite der Valven (bei M. schaefferi Heath eine größere Gruppe). In den Strukturen des weiblichen Abdomens sind osthelderi und schaefferi durch die bei osthelderi beschriebenen Charakteristika gut zu trennen. Die habituell ebenfalls sehr ähnlichen Arten Micropterix vulturensis Heath, 1981 und Micropterix zangheriella Heath, 1963 sind mit Sicherheit nur durch Genitaluntersuchung von schaefferi zu unterscheiden. Erstere scheint aber allopatrisch von dieser in Mittel- und Süditalien aufzutreten, während letztere sympatrisch mit schaefferi im nördlichen Apennin gefunden wird.

Wissenswertes:

Quellen:

Heath, J. (1975): The ammanella complex of the genus Micropterix Hübner [1825] (Lepidoptera: Zeugloptera, Micropterigidae); Ent.Gaz. 26, p. 253 - 258
Heath, J. in Karsholt, O & J. Razowski (1996): The Lepidoptera of Europa. A distributional checklist, Apollo-Books, Stenstrup

Meeß, Ad. (1910): Micropterygides; in A. Spuler: Die Schmetterlinge Europas, Kleinschmetterlinge; unveränderter Nachdruck der S. 188-523 und der Tafeln 81-91, Verlag E.Bauer, Keltern, 1983
Meyrick, E. (1912): Adelidae, Micropterygidae, Gracilariadae; in H. Wagner (ed.): Lepidopterorum Catalogus, pars 6, Berlin

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2001.05.30
Zeller Christof: 2006.02.20
Kurz Marion: 2006.02.20
Kurz Michael: 2010.09.10
Kurz Michael: 2012.04.24
Kurz Michael: 2014.02.16
nicht begutachtet