N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Micropterix aglaella (Duponchel, 1840)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Adela aglaella Duponchel, 1840: 627: Nach Minet (in litt.) muss das Publikationsdatum 1840 lauten (alle Typen sind mit Micropterix aglaella Duponchel, 1840 statt 1838 bezettelt).
Typenfundort: Zentral- und Südfrankreich (inklusive "Fonscolombe" im Norden von Aix-en-Provence).
Typus: Syntypus in coll. MNHN (Minet in litt.).

Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
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Habitus:

 
: "Spanien-Costa-; brava Vidreras; 6.-15.6.93; leg. J.Wimmer", coll.Kurz : "Hautes Alpes 1200 m; St. André d´Embrun; 19-VII-1985; C. Gibeaux leg.", coll. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum : Frankreich, Alpes de Haute-Provence, Station de Lure, 1999.07.13, leg. Speidel, coll. Speidel  
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Schema der Flügelzeichnung:

Beschreibung der Imagines: Untersucht: 5 , 12 . Vfl.-Länge: 3,3 - 3,6 mm, 3,5 - 4,3 mm. Kopf schwarzbraun, Kopfhaare weiß bis rostgelb; Fühler dunkelbraun, goldglänzend mit purpurnem Schimmer, beim knapp 4/5, beim knapp 3/5 der Vfl.-Länge; Thorax bronzegolden, posterior rötlich bis purpurn, Tegulae kupfrig bis purpurviolett; Grundfarbe des Vfl. rötlichgolden bis purpurviolett, distale Hälfte etwas purpurbraun, Außenrand gelegentlich wieder rötlichgolden, Apex selten auch in dieser Farbe; eine bronzegoldene Färbung reicht von der Basis bis 1/4 und lässt nur einen pupurvioletten Fleck an der Basis übrig; Zeichnung hellgolden bis golden, fein bronzegolden begrenzt: Bei fast 1/2 eine breite, leicht nach außen gebogene Binde über die gesamte Flügelbreite; bei 3/5 gelegentlich ein kleiner Costalfleck (bei 7 von 17 Exemplaren vorhanden); bei 3/4 ein größerer, fast runder bis leicht ovaler Fleck von der Costa über mehr als die Hälfte der Flügelbreite, zum Teil als Binde auch über die gesamte Flügelbreite reichend (dann im unteren Teil mehr bronzegolden); Fransen golden, basal purpurn, außen weißlich; Hfl. bronzegolden, stark purpurn getönt mit bronzegoldenen, außen helleren Fransen; Beine und Abdomen braun, goldglänzend.

Verbreitung:

Nach Heath (1996) und Karsholt (2004) kommt die Art in Spanien, Frankreich, Italien, Deutschland und der Schweiz vor. Die Angaben für Portugal (Heath 1996; Karsholt 2004) sind zweifelhaft (Corley 2007). Die Art wird auch für Österreich: Kärnten angegeben (Huemer 2013), diese Angabe konnte aber nicht überprüft werden. Nach unserer bisherigen Kenntnis ist M. aglaella in Südfrankreich, der westlichen Schweiz, Südwestdeutschland, den südlichen Alpen (östlich bis zum Monte Baldo, Italien), als auch in den Pyrenäen verbreitet (Zeller et al. 2007). Die Vertikalverbreitung der Art erstreckt sich von nahe Meeresniveau bis zumindest 1600 m Höhe (Kurz et al. 2009).

Lebensweise:

Wir haben keine neueren Informationen und sind daher nicht in der Lage die Angaben von Duponchel (1840: 628) über das Vorkommen der Art an "troëne" (=Ligustrum vulgare), "sureau" (=Sambucus) und "cornouiller sanguin" (=Cornus sanguinea) zu bestätigen. Ruedi Bryner allerdings (siehe Kurz et al. 2009) hat M. aglaella an Blüten von Dactylis glomerata und Rubus (Rubus) sect. Rubus gefunden. Die Flugzeit der Imagines erstreckt sich von Ende Mai (nur eine Angabe) bis Juli (Kurz et al. 2009).

Entwicklungsstadien:

Über die Entwicklungsstadien ist nichts bekannt.

Anatomie:

-Genitalapparat, Präp.-Nr. 294 J.Heath, 6070 Mus.Vind.: "27.6.1960; Col de Brouis; Alp. marit. Gal. m.; Vartian leg.", coll. Naturhistorisches Museum, Wien -Genitalapparat, Präp.-Nr. 4323, J. Wimmer: Spanien, Gerona, Vidreras, 6. - 15.6.1993, leg. J.Wimmer, coll. J.Wimmer -Genitalapparat, Präp.-Nr. 807 M.Kurz, Kalilaugenpräparat: Frankreich, Alpes de Haute-Provence, Gap Umgebung, Tallard, 1962.05, leg. J.Klimesch, coll. Michael Kurz dasselbe Präparat als Dauerpräparat
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-Genitalapparat, Präp.-Nr. 597 M.Kurz: Frankreich, Alpes de Haute-Provence, Gap Umgebung, Tallard, 1962.05, leg. J.Klimesch, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präp.-Nr. 597, M.Kurz: "Frankreich; südfranz. Alpen; Dauphine; Tallard/Gap; 6.-10.5.1962; leg. J. Klimesch", coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Receptaculum seminis in stärkerer Vergrößerung, Präp.-Nr. 807, M.Kurz: "Frankreich; südfranz. Alpen; Dauphine; Tallard/Gap; 6.-10.5.1962; leg. J. Klimesch", coll. Michael Kurz  
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Genitalapparat. Uncus mäßig lang, gedrungen, mit breit gerundeter Spitze; unterhalb des Uncus ein schwaches Haarbüschel; zwischen Uncus und akzessorischen Klammerorganen in der Länge etwas variable, schwach sklerotisierte, länglich spatelförmige Lappen am Vorderrand des Tegumens, die an ihrem Ende, sowie an einem kleinen Fortsatz an ihrem Unterrand eine sehr lange Behaarung tragen; akzessorische Klammerorgane löffelförmig, auf der Innenseite am Unterrand mit einer Reihe aus ca. 13 mäßig langen bis langen, meist sensenförmig modifizierten Stacheln; nahe dem oberen Rand vorne zwei kürzere, gerade Stacheln, basalwärts eine Reihe aus ca. 6 stark modifizierten, sehr breit T-förmigen Stacheln; Valven mäßig lang, gedrungen, in der Mitte stark verschmälert; an der Innenseite basal eine sehr lange und eine kürzere Borste, im Endteil, etwas basalwärts versetzt eine Gruppe aus sehr kurzen bis mäßig langen, geraden Stacheln und einigen längeren Borsten; entlang des gerundeten Vorderrandes eine Reihe aus kurzen Borsten.

Genitalapparat. 9. Tergit fehlend, nur durch eine Borstengruppe angedeutet; 9. Sternit stark reduziert, schwach sklerotisiert, in der Mitte verschmälert; die Analpapillen bestehen aus zwei eher schwach sklerotisierten, bandförmigen Chitinplatten; Receptaculum seminis eher kurz und gedrungen, in der unteren Hälfte sackförmig erweitert, mit gattungstypischer Querstreifung; Vestibulum groß, sackförmig, ohne Sonderbildungen.

Diagnose:

M. aglaella : "Hautes Alpes 1200 m; St. André d´Embrun; 19-VII-1985; C. Gibeaux leg.", coll. Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum Micropterix paykullella (Fabricius, 1794) : Frankreich, Alpes Maritimes, Nizza Umgebung, La Turbie, 1962.05, leg. Klimesch, coll. Zoologische Sammlung des Bayerischen Staates, Munich Micropterix aureoviridella (Höfner, 1898) : Austria, Salzburg, Pongau, Hochkönig, Kaserfeld-Mandlwand, 1750 m, 1994.07.02, coll. Michael Kurz Micropterix aureatella aureatella (Scopoli, 1763): "ALPENVORLAND; Thalgau/Sbg. 6/3;20.5.1989; 12.40-14.05 h; leg. M.K", coll. Michael Kurz
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M. aglaella, Genitalapparat, Präp-Nr. 4323, J. Wimmer: Spanien, Gerona, Vidreras, 6. - 15.6.1993, leg. J.Wimmer, coll. J.Wimmer M. paykullella Genitalapparat (Form ohne Zeichnung), Präp.-Nr. 741, M.Kurz: France, Alpes Maritimes, Marguareis, location 1, 2000.07.22, leg. Hausenblas und Zeller, coll. Michael Kurz M. aureoviridella Genitalapparat, Präp-Nr. 778, M.Kurz: Austria, Salzburg, Hohe Tauern, Habachtal, Gasthaus Enzian Umgebung, 2004.07.17, coll. Michael Kurz M. aureatella Genitalapparat, Präp-Nr. 202, Ch. Zeller: Salzburg, Flachgau, Eugendorf, Unzing, Wörlemoos, 2003.05.17, leg. Hausenblas & Zeller, coll. Christof Zeller
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M. aglaella Genitalapparat, Präp-Nr. 807 M.Kurz, Dauerpräparat: Frankreich, Alpes de Haute-Provence, nahe Gap, Tallard, 1962.05, leg. J.Klimesch, coll. Michael Kurz M. paykullella, Genitalapparat, Präp-Nr. 811, M.Kurz, Dauerpräparat: Piemont, Provinz Cuneo, Bersezio, 1973.07.21, leg. J.Klimesch, coll. Michael Kurz M. aureoviridella Genitalapparat, Präp-Nr. 810, M.Kurz, Dauerpräparat: Osttirol, Glocknergruppe, Kals, Moar Alm, 1800 - 2000 m, 2002.06.27, leg. Helmut Deutsch, coll. Michael Kurz M. aureatella Genitalapparat, Präp-Nr. 808, M.Kurz, Dauerpräparat: Ausria, Vorarlberg, Brandnertal, Böser Tritt, 1700 m, 2004.07.30, leg. Puchmayr & Kurz, coll. Michael Kurz
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Die Art könnte am ehesten mit Micropterix paykullella (Fabricius, 1794) verwechselt werden, von der sie sich aber meist durch die weniger intensive Purpurtönung unterscheidet. Im Gegensatz zu M. paykullella und Micropterix aureoviridella (Höfner, 1898) erreicht der goldene Innenrand von M. aglaella nicht die Binde in der Mitte (der Rand der bronzegoldenen Bestäubung am basalen Teil des Flügels und die Binde sind oft fast parallel). In vielen Fällen erstreckt sich der Fleck bei 3/4 über die gesamte Flügelbreite. M. aglaella kann auch von M. aureoviridella durch die normalerweise schärfere Zeichnung, die dunkler purpurne Färbung und die deutlich bronzegoldene Vfl.-Basis unterschieden werden.
Der Männchen-Genitalapparat erinnert etwas an Micropterix aureatella (Scopoli, 1763), kann aber leicht von dieser unterschieden werden. Auch die Weibchen-Genitalien können leicht erkannt werden. Im Besonderen ist die Sklerotisierung von Sternit IX und den Analpapillen von M. aglaella deutlich schwächer als bei M. paykullella. Auch das Receptaculum seminis scheint kürzer und gestauchter zu sein, aber diese Unterschiede sind zu gering, um von diagnostischem Wert zu sein.

Phylogenie: In den Männchen-Genitalien besitzt M. aglaella deutliche Lappen mit langen, haarförmigen Setae am Hinterrand des Tegumens zwischen Uncus und akzessorischen Klammerorganen. Zusätzlich sind die Valven relativ kurz und gedrungen. Deshalb wird die Art mit Vorbehalt als verwandt zu M. aureatella, Micropterix sikhotealinensis Ponomarenko & Beljaev, 2000, Micropterix herminiella Corley, 2007 und Micropterix wockei Staudinger, 1870 angesehen.

Wissenswertes:

Quellen:

Corley, M. F. V. 2007. A brief review of the Micropterigidae of Portugal, with description of a new species of Micropterix Hübner. – Nota lepidopterologica 30 (1): 71–78.
Duponchel, P.–A. J. [1838–1840]. Nocturnes, 8. – In: J.-B. Godart, Histoire Naturelle des Lépidoptères ou Papillons de France 11. – Paris, Méquignon-Marvis. 720 pp., pls 287–314.
Heath, J. 1996. Family Micropterigidae – In: O. Karsholt & J. Razowski (eds), The Lepidoptera of Europa. A distributional checklist. – Apollo-Books, Stenstrup.
Karsholt, O. 2004. Families Acanthopteroctetidae, Axiidae, Castniidae, Cossidae, Drepanidae, Eriocottidae, Eriocraniidae, Gelechiidae, Heterogynidae, Limacodidae, Lypusidae, Micropterigidae, Roeslerstammiidae, Somabrachyidae, Uraniidae. In: Karsholt, O. & E. J. van Nieukerken (eds.). Lepidoptera, Moths. – Fauna Europaea version 1.1, http://www.faunaeur.org [online 16 December 2004].
Huemer, P. 2013. Die Schmetterlinge Österreichs (Lepidoptera). Systematische und faunistische Checkliste. — Studiohefte 12: 1-304.
Kurz, M. A., M. E. Kurz & H. C. Zeller-Lukashort 2000–2009. Naturkundliches Informationssystem. – URL: http://www.nkis.info [online 2009.05.14].
Zeller-Lukashort, H. C., M. E. Kurz, D. C. Lees & M. A. Kurz 2007. A review of Micropterix Hübner, 1825 from northern and central Europe (Micropterigidae). Nota lepidopterologica 30 (2): 235-298.

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2001.01.25
Zeller Christof: 2006.02.26
Kurz Marion: 2006.02.26
Kurz Michael: 2009.03.24
Kurz Michael: 2018.01.19
Kurz Michael: 2019.12.27
Dokument begutachtet von:
not reviewed: 2019.12.27
Dokument freigegeben:
Kurz Michael: 2019.12.30