N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Electrocrania michalskii Kurz, 2015

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Electrocrania michalskii Kurz, 2015: 448-450.
Typenfundort: Baltische Region
Typus: Holotypus : Baltischer Bernstein, Lutetium (Eozän, Ritzkowski 1997), ID-Nr. www.nkis.info, MK-Z29276, zur Zeit in coll. Michael Kurz

Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
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Habitus:

   
: Baltische Region, Baltischer Bernstein, Eozän, Lutetium, in coll. Michael Kurz : Baltische Region, Baltischer Bernstein, Eozän, Lutetium, in coll. Michael Kurz    
Bild von: www.ebay.at: © Michalski Artur (vermiculosis)
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Bild von: www.ebay.at: © Michalski Artur (vermiculosis)
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Beschreibung der Imagines: Untersucht: 1 . Vfl.-Länge: 2,7 mm. Kopf mit abstehenden Haarschuppen; Augen halbkugelig, ca. 0,3 mm im Durchmesser; Ocellen vorhanden; Maxillarpalpen sehr lang, gesamt fast 1,3 mm lang, mit 5 Segmenten (ca. 85, 185, 480, 400 and 130 μm lang); Labialpalpen sehr klein, vermutlich mit 2 Segmenten; Fühler fast 9/10 der Vfl.-Länge, auffällig dick; Pedicellus angeschwollen; Antennenglieder etwas breiter als lang nahe der Basis, etwas länger als breit apikal, mit ascoiden Sensillen, deren Arme auffällig lang sind (Antennen daher gewimpert erscheinend); Mundwerkzeuge (Maxillen) nicht erkennbar; Thorax und Tegulae glänzend golden beschuppt; Vfl. hell rötlichgolden glänzend, Innenrand bis etwa 1/2 und sehr verschwommene Flecke golden; Sporenformel 0-0-4; Epiphyse im Präparat nicht erkennbar; Mitteltibie kurz, ohne Sporn, aber mit feinen Stacheln am Ende; Hintertibien mit je einem Spornpaar bei ca. 0,7 der Tibienlänge und am Ende; Abdomen ohne erkennbaren Ausgang von Drüsen an S5 (reduziert oder fehlend); Genital- und assoziierte Strukturen an Segment 8 nicht erkennbar.

Verbreitung:

Das untersuchte Exemplar stammt aus der baltischen Region. Laut Angaben des Händlers stammt es entweder aus der Region um Kaliningrad oder aus Polen, Mikoszewo, an der Mündung des Flusses Wisla. Da Bernstein aus beiden Quellen vor dem Verkauf vermischt wurde, ist eine definitive Zuordnung zu einem der beiden Fundorte nicht mehr möglich. Zeitlich gehört der Bernstein jedenfalls in das Lutetium (Eozän, Ritzowski 1997).

Lebensweise:

     
Computermodell eines Bernsteinwaldes      
Bild von: Kurz Marion
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Die Art ist Mitglied der Bernsteinwald-Biozönose.

Anatomie:

     
Geäder: Baltische Region, Baltischer Bernstein, Eozän, Lutetium, in coll. Michael Kurz      
Bild von: Kurz Michael
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Geäder. Vorderflügel: Humerale Ader vorhanden; Sc und R1 ungegabelt, Sc erreicht die Costa bei ca. 1/2, R1 bei fast 3/5; R5 nahezu genau apikal (höchhstens eine Spur präapikal); R2 + R3 gestielt; Querader Sc-R nicht erkennbar; M1 aus der Querader R-M; M2 und M3 knapp distal der halben Vfl.-Länge aus gemeinsamem M-Stamm; CuA bei ca. 3/4 der Länge gegabelt; CuP nur im distalen Teil deutlich entwickelt; A1 + A2 distal der Hälfte miteinander verschmolzen und eine Wurzelschlinge bildend. Hinterflügel: Sc und R1 getrennt, aber nahe nebeneinander verlaufend; R1 bei ca. 1/4 entspringend; R2 + R3 gestielt; R5 genau apikal; Querader Sc-R vermutlich vorhanden (nicht eindeutig erkennbar); CuA vermutlich gegabelt; A1 + A2 vorhanden.

Genitalapparat. Im Präparat nicht klar erkennbar; Uncus sehr kurz; Valven kurz und sehr breit.

Diagnose:

   
E. michalskii Geäder: Baltische Region, Baltischer Bernstein, Eozän, Lutetium, in coll. Michael Kurz E. immensipalpa: Bild A von Kusnezov, 1941. HolotypUS. Bild B1 + B2 von Kusnezov, 1941. Vorderflügel-Geäder. Bild C von Kozlov, 1988. Vorderflügel-Geäder    
Bild von: Kurz Michael
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Bild von: LepTree Team (creative commons)
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Wegen der nicht gegabelten Adern Sc (eine vermutete Apomorphie der Gattung) und R1 im Vfl., der dicken Antennen mit großen ascoiden Sensillen und der enorm vergrößerten Maxillarpalpen wird die Art neben der Typenart in die Gattung Electrocrania eingereiht. E. michalskii unterscheidet sich von Electrocrania immensipalpa Kusnezov, 1941 durch die Position von R5 im Vfl. , die bei E. michalskii apikal, bei E. immensipalpa aber präapikal ist. Des weiteren münden Sc und R1 bei E. immensipalpa an der Costa bei 2/5 bzw. 1/2 der Vfl.-Länge, während bei E. michalskii diese Adern bei 1/2 und 3/5 der Vfl.-Länge in die Costa münden. Trotz der Schwierigkeiten bei der Interpretation des Geäders von E. immensipalpa werden diese Unterschiede als spezifisch relevant eingestuft. Außerdem ist E. michalskii ein wenig kleiner als E. immensipalpa (Vfl.-Länge 2,7 mm gegenüber 3,2 mm bei E. immensipalpa).

Wissenswertes:

Der Baltische Bernstein mit dem Einschluss gehört in das Lutetium (Eozän) und hat daher ein Alter von 40,4 - 48,6 Ma (44,1 Ma nach Ritzowski 1997 oder ungefähr 50 Ma nach Hoffeins in litt.). Das erwachsene Tier ist vollständig erhalten und größtenteils in ventro-lateraler Lage sichtbar. Teile der Flügel werden von Schlieren im Bernstein verdeckt und die Genitalien sind größtenteils von den Flügeln verdeckt. Ethymologie: Die Art wurde nach Artur Michalski benannt, dem Verkäufer des Bernsteins, der mir auch erlaubte, seine Mikrophotos zu verwenden.

Quellen:

Kristensen, N. P. 1998. The non-glossatan moths: 41–49. – In: N. P. Kristensen (ed.), Lepidoptera, Moths and Butterflies. Vol. 1: Evolution, systematics, and biogeography. – In: M. Fischer (ed.), Handbook of Zoology. Vol. IV Arthropoda: Insecta, Part 35. – Walter De Gruyter, Berlin and New York.
Kurz, M. A. 2015. On the systematic position of Electrocrania Kusnezov, 1941 with the description of a new species from Baltic amber (Lepidoptera: Micropterigidae). Zootaxa 4044 (3): 446-450.
Ritzkowski, S. 1997. Geschichte der Bernsteinsammlung der Albertus-Universität zu Königsberg i. Pr., Verlag Glückauf GmbH, Essen.

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2014.12.22
Kurz Michael: 2015.02.18
Kurz Michael: 2016.06.24
Kurz Michael: 2016.06.27
Dokument begutachtet von:
not reviewed: 2016.06.27
Dokument freigegeben:
Kurz Michael: 2016.06.27

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