N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Incurvaria pectinea Haworth, 1828

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Incurvaria pectinea Haworth, 1828, Lepid. Br.: 559
Typenfundort: Großbritannien
Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Tinea zinckenii Zeller, 1839, Isis, Leipzig: 183

Habitus:

 
: Veneto, Verona, Monte Baldo, Ferrara di Monte Baldo, 1963.05, leg. Wolfsberger J., coll. Michael Kurz : Veneto, Umgebung Garda, 1994.03.26, leg. Hausenblas, Zeller, M.E. & M.A. Kurz, coll. Michael Kurz  
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
 

Beschreibung:
untersucht: 1 , 1 )

Vfl.Länge: 6,4 mm, 5,8 mm
Spannweite: 14,3 mm, 13,3 mm
Kopf und Stirn abstehend schmutzig ockergelb bis umbrabraun behaart, gemischt mit einzelnen beigen Haaren; Augen beim 0,4 mm, beim 0,3 mm im Durchmesser; Palpen kurz, etwa 1,5-facher Augendurchmesser, divergierend, mit spitzem Endglied, gemischt umbrabraun und beige behaart;Fühler beim ca. 1/2, die Glieder der Fühlergeißel je zur Hälfte braun und beige beschuppt; Fühler einfach gekämmt, die Kammzähne gleich flachen, am Ende nach außen gebogenen Lamellen, die bis 0,45 mm lang sind; die Kammzähne ebenfalls braun beschuppt; Fühler des knapp über 1/2, fadenförmig, die Fühlerglieder je zur Hälfte beige und mit einem nach außen divergierende, braunen Schuppenfächer.
Thorax und Tegulae umbrabraun beschuppt; Vfl. länglich, schmal, braun, mehr oder weniger stark bronzegolden glänzend; Zeichnung oft verschwommen, gelegentlich auch fast zeichnungslos; in der Mitte des Innenrandes ein annähernd dreieckiger, gelblichweißer Fleck, dessen Spitze fast bis zur Flügelmitte reicht; ein gleicher, aber wesentlich kleinerer Fleck basal des Tornus am Innenrand, etwas in die Fransen ausstrahlend; Fransen zweireihig, in der Farbe des Flügels, am Tornus ein Wisch weißlich aufgehellt; Unterseite ähnlich der Oberseite, basal des Diskus mit sehr schmalen, haarförmigen Schuppen, die hellen Flecke der Oberseite verschwommen begrenzt; Costa jenseits von 3/4 bis zum Apex gelborange; Hfl. mit sehr schmalen, haarförmigen Schuppen, die die Flügelmembran größtenteils frei lassen; diese graubraun, die Schuppen braun, stark bronzegolden bis kupfrig glänzend; Costa bis 2/3 gelblichweiß aufgehellt; Fransen wie der Flügel braun, bronzegolden glänzend; Unterseite ebenfalls mit sehr schmalen Schuppen, an Außen- und Innenrand weißlich aufgehellt, die Flügelränder beim schmal gelblich bis orangegelb; Beine hellbraun bis braun, glänzend, mit hell-dunkel geringelten Tarsen beim ; Vordertibie ohne Sporn, Mitteltibie mit einem Endspornpaar, Hintertibie mit einem Spornpaar bei 0,55 - 0,6 der Tibienlänge und einem Endspornpaar, beide Spornpaare beigefarben.

Verbreitung:

Nachgewiesen ist die Art von Spanien und den Britischen Inseln über Mitteleuropa, Skandinavien und Finnland bis ins europäische Russland, sowie im Süden aus Italien und dem Großteil des Balkan. Keine Nachweise liegen aus Portugal, den großen Mittelmeerinseln, Griechenland, der Ukraine und Südrussland vor (Karsholt & Nieukerken, 2004). Hier erstmals gemeldet wird die Art aus Serbien (Vojvodina, Fruska Gora). Nach Karsholt & Razowski (1996) kommt die Art in fast ganz Europa mit Ausnahme von Bulgarien und Griechenland vor. Nach Heath & Pelham-Clinton (1983) reicht das Verbreitungsgebiet von Nordspanien bis ins europäische Russland und in Zentralasien bis ins Altai-Gebirge. Die Höhenverbreitung reicht nach den wenigen vorliegenden Daten von der planaren Stufe bis über 1100 m Höhe.

Lebensweise:

Lebensraum sind laubdominierte Waldränder und Gebüsche, sowie angrenzende Magerwiesen. Die Imagines fliegen im April und Mai. Nach Heath & Pelham-Clinton (1983) findet sich die Art meist in der Nähe von Birken.

Entwicklungsstadien:

     
Junge Raupen beim Ausschneiden eines Sackes aus einem Blatt: Kärnten, Görtschitztal, Hüttenberg, 2016.05.26      
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
     

nach Heath & Pelham-Clinton (1983):

Ei:
Die Eier werden meist zu mehreren an die Blätter von Betula und Corylus avellana Linné, angeblich auch an Alnus, Malus (Saalas, 1935), sowie Acer, Carpinus, Prunus, Pyrus, Sorbus und Cornus (Hering, 1957) abgelegt.

Raupe:
Die Raupe ist weißlich mit gelblich braunem Kopf. Die Thorakaltergite sind ockergrau. Die Raupe lebt jung, im Mai und Juni als Minierer in Blättern, in denen sie kleine, runde Minen erzeugt. Im Juni schneidet sie ein kleines, rundes Loch aus der Mine und fertigt daraus einen Sack an. Zu diesem Zeitpunkt sind die minierten Blätter sehr auffällig. Die Raupen lassen sich zu Boden fallen, wo sie an abgefallenen Blättern fressen. Dabei schneiden sie jeweils ein Stück des Blattes heraus und befestigen dieses an einer Seite des Sackes. Gelegentlich werden auch grüne Blätter von verschiedenen Kräutern gefressen. Im August oder September werden die Säcke an einer vertikalen Fläche, meist der Basis eines Baumstammes, angesponnen. Hier findet die Verpuppung statt.

Puppe:
Die Puppe überwintert im Gehäuse.

Anatomie:

Genitalapparat, Präp.-Nr. 585, M. Kurz: Veneto, Verona, Monte Baldo, Ferrara di Monte Baldo, 1963.05, leg. J. Wolfsberger, coll. Michael Kurz Genitalapparat in stärkerer Vergrößerung, Präp.-Nr. 585, M. Kurz: Veneto, Verona, Monte Baldo, Ferrara di Monte Baldo, 1963.05, leg. J. Wolfsberger, coll. Michael Kurz Genitalapparat, Aedoeagus, Präp.-Nr. 585, M. Kurz: Veneto, Verona, Monte Baldo, Ferrara di Monte Baldo, 1963.05, leg. J. Wolfsberger, coll. Michael Kurz -Genitalapparat, Präp.-Nr. 660, M. Kurz: Venetien, Nähe Garda, 1994.03.26, leg. HZK, coll. Michael Kurz
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
 
Genitalapparat, Präp.-Nr. 587, M. Kurz: Veneto, Verona, Monte Baldo, 1968.04.26, leg. J. Wolfsberger, coll. Haus der Natur, Salzburg Genitalapparat, Spitze des Ovipositor, Präp.-Nr. 587, M. Kurz: Veneto, Verona, Monte Baldo, 1968.04.26, leg. J. Wolfsberger, coll. Haus der Natur, Salzburg -Genitalapparat, Spitze des Ovipositor, Präp.-Nr. 660, M. Kurz: Venetien, Nähe Garda, 1994.03.26, leg. HZK, coll. Michael Kurz  
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
 

Diagnose:

Von den meisten ähnlich Arten ist I. pectinea Hw. leicht durch die haarförmigen Schuppen der Hfl., sowie die gekämmten Fühler der zu unterscheiden. Incurvaria masculella ([Denis & Schiffermüller], 1775), die diese Merkmale ebenfalls aufweist, ist etwas größer, mit deutlich dunkler brauner Grundfarbe mit violettem Schimmer.

Wissenswertes:

Quellen:

Heath, J. & E. C. Pelham-Clinton (1983) in J. Heath (ed.): The Moths and Butterflies of Great Britain and Ireland, Vol. 1, Harley Books
Hering, E.M. (1957): Bestimmungstabellen der Blattminen von Europa, 3 Bde., Uitgeverij Dr. W. Junck, ´s-Gravenhage
Karsholt, O. & J. Razowski (1996): The Lepidoptera of Europe, Apollo Books
Karsholt, O. & E. J. van Nieukerken (2004): Incurvariidae. In - Karsholt, O. & E. J. van Nieukerken (eds.). Lepidoptera, Moths. – Fauna Europaea version 1.1, http://www.faunaeur.org [online 2008.03.07].
Saalas, U. (1935): Über Incurvaria pectinea Hw. (Lep., Incurvariidae); Suomen hyönt. Aikak, 1, p. 113 - 137, 10 Abb.

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2003.12.14
Kurz Michael: 2004.11.07
Kurz Michael: 2008.03.13
Kurz Michael: 2010.01.06
Kurz Michael: 2015.05.03
Kurz Michael: 2016.07.01
Kurz Michael: 2018.10.09
Kurz Michael: 2018.10.10
Kurz Michael: 2018.11.02
nicht begutachtet

Werbung: