N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Nemophora istrianellus (Heydenreich, 1851)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Nematois istrianellus Heydenreich, 1851: 81.
Typenfundort: Nicht angegeben [Kroatien, Istrien]
Typus: vermutlich verloren (Kozlov 2004).

Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Adela beyruthella Bruand, 1858: 619. Typenfundort: Nicht angegeben [Libanon, Beirut]. Jüngeres subjektives Synonym.
Nemotois cupriacellus var. dalmatinellus Zeller, 1853: 60. Typenfundort: Kroatien, Dalmatien, Spalato [Split]. Jüngeres subjektives Synonym.
Nemotois chlorista Meyrick, 1912b. Typenfundort: Türkei, Alma Dagh. Jüngeres subjektives Synonym, synonymisiert von Kozlov (2004).

Nomenklatur: (Zitat nach Kozlov 2004) "Herrich-Schäffer ([1851], Tafel 33, Fig. 232) bildete ein Männchen unter dem Namen "istrianella" ab. Herrich-Schäffers Tafeln tragen aber nur Artnamen, die nicht binominal und daher nicht verfügbar sind; der beschreibende Text (auf S. 98) erschien nicht vor 1854 (siehe Hemming 1937: 588 für die Publikationsdaten von Band 5 von Herrich-Schäffers Werk). Der Name wurde durch die Referenz auf Herrich-Schäffers Abbildung bei Heydenreich (1851: 81, publiziert in der Kombination Nematois [sic!] istrianellus) verfügbar gemacht. Das Typenexemplar wurde bis jetzt nicht gefunden und daher soll ein Neotypus aus der NHM-Sammlung in Übereinstimmung mit dem jetzigen Gebrauch des Namens gewählt werden. Das jüngere subjektive Synonym, N. dalmatinellus, wird traditionell Mann zugeschrieben, und zwar mit dem Datum 1869 (z.B. Meyrick 1912a). Allerdings hat bereits Heydenreich (1851) diesen Namen (als "Nematois dalmatinellus Mn.") ohne Beschreibung publiziert; dieser Name ist daher ein Nomen nudum. Zeller (1853) beschrieb "cupriacellus Var. b", wobei er auf S. 60 angibt, die beschiebenen Männchen von Mann erhalten zu haben, der sie als N. dalmatinellus bestimmte. Dieser Name sollte in Anlehnung an Artikel 45.6.4 der ICZN (1999) als Unterart aufgefasst und Zeller zugeschrieben werden.

Habitus:

     
Friuli-Venezia Giulia, Duino, San Giovanni di Duino, 65-75 m, 2014.06.21, leg. et coll. Helmut Deutsch      
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
     

Beschreibung der Imagines: Untersucht: 2 . Vfl.-Länge: 7,3 - 7,5 mm. Kopf schwarzbraun, KH orangegelb, abstehend; Stirn anliegend beschuppt, messingfarben glänzend; Augendurchmesser 0,5 mm, Augenabstand (frontal) ca. 0,7 mm; Palpen ca. 0,9 mm lang, nach vorne zusammen neigend, schwarz, seitlich gelb beschuppt, nach unten abstehend lange, gelbe Haarschuppen; Fühler beim ca. 1 1/4 der Vfl.-Länge, in der basalen Hälfte durch schwarzviolette Schuppen verdickt, distales Drittel weiß; Thorax und Tegulae bronzegolden glänzend; Vfl. schmal; Basis der Costa messingfarben glänzend; basale Flügelhälfte kupfrig glänzend, distal verschommen ins Violette übergehend, distal von 1/2 eine sehr verschwommene, an der Costa sehr breite, gegen den Innenrand schmale dunkel blauviolette Querbinde; Basis des R-Stammes nicht verdunkelt; Fransen an der äußeren Costa blau, sonst blauviolett schimmernd; Hfl. dunkel graubraun mit intensivem violetten Schimmer; Fransen an der Basis bronzegolden, nach außen violett schimmernd; Unterseite aller Flügel dunkel braungrau mit intensivem violetten bis bläulichen Schimmer, am Hfl. apikal und posterior mehr bronzegolden; Fransen am Vfl. vorne blau, am Außenrand basal bronzegolden, außen violett; Fransen der Hfl. am Apex bronzegolden, am Außenrand violett; Unterseite des Thorax messinggolden bis weißlichgolden glänzend; Beine bronzegolden, die Tibien violett, die Hintertibien blauviolett, verdickt, mit abstehenden Haarschuppen; Vordertibie ohne Epiphyse; Mitteltibie mit Endspornpaar; Hintertibie mit je einem Spornpaar bei 0,4 der Tibienlänge und am Ende; Abdomen dunkelbraun, schwach bronzegolden glänzend, beim seitlich zusammen gedrückt und am Ende zugespitzt.

Verbreitung:

Neben Kroatien und Bosnien-Herzegowina wird die Art bei Karsholt & Nieukerken (2011) auch aus Spanien und Österreich, sowie fraglicherweise aus Rumänien gemeldet. Die letzte Angabe beruht auf Kovács & Kovács (1999). In Asien ist die Art aus der Türkei: Provinzen Bursa und Hatay (Koçak & Kemal 2007, Meyrick 1912a), sowie aus dem Libanon bekannt (Bruand 1858). Das oben abgebildete Tier stellt den Neufund für Italien dar (leg. H. Deutsch).

Lebensweise:

Über die Biologie von N. istrianellus ist nichts bekannt.

Diagnose:

Mit Ausnahme von Nemophora prodigellus (Zeller, 1853) und Nemophora cupriacella Hübner, 1819 unterscheidet sich die Art von allen anderen europäischen Nemophora-Arten durch das Fehlen einer Epiphyse an der Vordertibie. Kozlov (2004) gibt die folgende Beschreibung zur Unterscheidung von N. istrianellus von den beiden anderen aufgeführten Arten an: Von N. prodigellus unterscheidet sie sich durch folgende Merkmale: Vfl. ohne deutlichen Fleck an der Basis des R-Stammes; Vfl.-Hintergrund dunkelbraun bis dunkel kupfrig braun; Hfl. einfärbig braun bis dunkelbraun; Basis der Fühler beim üblicherweise mit dichtem Belag halb aufgerichteter Schuppen. Im -Genitalapparat unterscheidet sich N. istrianellus von N. prodigellus durch die Form der Valven, die apikal breit gerundet bis fast rechteckig sind, mit parallelen distalen Hälften ihrer inneren Ränder (siehe Fig. 85b bei Küppers 1980). Weibchen von N. istrianellus unterscheiden sich von Weibchen von N. cupriacella auct. in den folgenden Merkmalen: Vordertibie dorsal bronze bis braun, ventral und manchmal ventrolateral gelblichweiß bis gelb mit deutlicher Grenze zwischen diesen beiden Farben; Vfl.-Binde üblicherweise deutlich; Vfl. bronze bis dunkel kupfrig braun.

Wissenswertes:

Quellen:

Bruand d´Uzelle, C. Th. 1858. Classification des Tineides et examen des charactères et de leur importance relative, d´après la méthode naturella. Annales de la Société entomologique de France 3 (6): 600-702.
Hemming, F. 1937. Hübner: A bibliographical and systematic account of the entomological works of Jacob Hübner, and of the supplements thereto by Carl Geyer, Gottfried Franz von Frölich and Gottlieb August Wilhelm Herrich-Schäffer. – Royal Entomological Society of London, London. Vol. 1, xxxiv + 605 pp.; Vol. 2, xi + 274 pp.
Herrich-Schäffer, G. A. W. 1847–1855 ["1853–1855"]. Systematische Bearbeitung der Schmetterlinge von Europa, zugleich als Text, Revision und Supplement zu Jakob Hübner’s Sammlung europäischer Schmetterlinge. 5. Die Schaben und Federmotten: [1]–2–394 + [1]–2–52, 124 + 7 + 1 pl. Regensburg.
Heydenreich, G. H. 1851. Lepidopterorum Europaeorum catalogus methodicus. Systematisches Verzeichniss der Europaeischen Schmetterlinge. J. Klinkhardt, Leipzig. [2] + 131 + [2] pp.
ICZN 1999. International code of zoological nomenclature, adopted by the International Union of Biological Sciences. 4th edn. International Trust for Zoological Nomenclature, London. xxix + 306 pp.
Karsholt, O. & E. J. van Nieukerken 2011. Adelidae. In - Karsholt, O. & E. J. van Nieukerken (eds.). Lepidoptera, Moths. – Fauna Europaea version 2.4., http://www.faunaeur.org [online 27 January 2012].
Koçak, A. Ö. & M. Kemal 2007. Synonymical and distributional List of the species of Bursa Province (North West Turkey) (Lepidoptera). Centre for entomological studies Ankara, Priamus 11 (5): 81-111.
Kovács, Z. & Kovács, S. 1999. Familia Adelidae (Lepidoptera) in România. Buletinul informativ al Societatii Lepidopterologice Române. 10 (1-4): 9-65.
Kozlov, M. V. 2004. Annotated checklist of the European species of Nemophora (Adelidae). Nota Lepidopterologica 26: 115-126.
Meyrick, E. 1912a. Adelidae, Micropterygidae, Gracilariadae. – In: H. Wagner (ed.), Lepidopterorum Catalogus, pars 6, Berlin.
Meyrick, E. 1912b. Lepidoptera Heterocera (Tineae). Fam. Adelidae. — Genera Insectorum 133 1-12 + pl. Bruxelles (V. Verteneuil & L. Desmet).
Zeller, P. C. 1853. Sieben Tineaceen-Gattungen. – Linnaea Entomologica 8: 1–87.

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2008.07.23
Kurz Michael: 2016.03.03
Kurz Michael: 2016.03.04
nicht begutachtet

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