N A T U R K U N D L I C H E S I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Baronia brevicornis Salvin, 1893

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Baronia brevicornis Salvin, 1893: 331-332.
Typenfundort: Westliches Mexiko, Sierra Madre del Sur, Nähe Chilpancingo, 4500 ft.
Typus: Holotypus : Westliches Mexiko, Sierra Madre del Sur, Nähe Chilpancingo, 4500 ft., leg. O. T. Baron, coll. BMNH, London

Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Baronia brevicornis f. eusemna Dyar, 1912. Nicht verfügbarer infrasubspezifischer Name.
Baronia brevicornis var. aureomaculata Bryk, 1913. Jüngeres subjektives Synonym.
Baronia brevicornis f. pallida Kotzsch, 1939. Nicht verfügbarer infrasubspezifischer Name.
>Baronia brevicornis f. parvisubmarginalis Eisner, 1974. Nicht verfügbarer infrasubspezifischer Name.
Baronia brevicornis rufodiscalis de la Maza & White, 1987. Jüngeres subjektives Synonym.

Short-horned Baronia

Habitus:

     
ohne Daten      
Bild von: wikimedia commons: Geller-Grimm Fritz (creative commons)
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Beschreibung der Imagines (Originalbeschreibung nach Salvin 1893): Spannweite 55-65 mm. Flügel braun; Fransen zwischen den Adern schmal weiß; Vfl. mit drei gebogenen Reihen ovaler, ockerfarbener Flecken; die erste Reihe mit vier Flecken, einer in der Zelle, der vierte nahe dem Innenrand; die zweite Reihe mit 7 Flecken, alle außerhalb der Zelle, jene zwischen den Medianadern und am Analwinkel ziemlich klein; die dritte Reihe mit vier subapikalen Flecken; Hinterflügel in den costalen 2/3 der Zelle und darüber hinaus fast bis zur Costa gelblich-ocker; drei Flecken formen ein Dreieck unterhalb der Zelle, der längste bildet die Basis unterhalb der ersten Medianader [Cu2] und der kleinste (der Apex) oberhalb der zweiten Medianader [M3]; eine postdiskale Reihe von 6 Flecken ebenfalls gelblich-ocker; Unterseite wie Oberseite, aber heller; die subapikale Fleckenreihe auf den Vfl. und eine zusätzliche submarginale Reihe silber; Hfl. mit allen Flecken silber, die diskale Reihe mit größeren und länglicheren Flecken und eine submarginale Reihe nahe dem Analwinkel; Vfl. leicht vorgezogen, der Apex gerundet, der Außenrand leicht konkav; Hfl. gerundet, weder der Apikal- noch der Analwinkel betont und keine Spur eines Schwanzes.
Weibchen. Wie das Männchen, aber größer, die Flecken nahe der Costa der Vfl. weißlich und eine zusätzliche Reihe von vier kleinen gelblich-ockerfarbenen Flecken; gelblich-ockerfarbene Zeichnung des Hfl. viel ausgedehnter und stellenweise sogar zusammen fließend; eine zusätzliche submarginale Reihe von ockerfarbenen Flecken; auf der Unterseite Flecke am Apex der Vfl. und jene der Hfl. silber. Das Weibchen besitzt ein abdominales Duftorgan (Häuser 1992).

Variabilität: Die Art ist sehr variabel bezüglich Anzahl und Größe der hellen Zeichnungen, sowie ihres Farbtones, der von cremeweiß bis orangegelb reicht. Die Weibchen sind generell etwas größer als die Männchen, die Flecke sind mehr gelblich-ocker. Gelegentlich sind sie auch deutlich dunkler als normal (Collins & Morris 1985).

Verbreitung:

B. brevicornis kommt endemisch in West- und Südmexiko vor, wo sie in isolierten Kolonien lebt. Nachweise sind aus folgenden Bundesstaaten bekannt: Jalisco, Oaxaca, Chiapas, Guerrero, Morelos, Puebla, Michoacan und Colima (Collins & Morris 1985). Pérez (1977) gibt die Höhenverbreitung mit 505 - 1335 m an, während Salvin (1893) die Höhe des Typenfundortes mit 4500 Fuß (ca. 1500 m) angibt.

Lebensweise:

     
Mexico, Cerro Frio (1300 m) El Zapote, westlich von Tilzapotla (Morelos)      
Bild von: www.picasaweb.google.com: Legal L. (creative commons)
Detailansicht
     

Die Art bewohnt Dickichte von laubwerfendem Gebüsch, die sich hauptsächlich aus der Nahrungspflanze der Raupen, Acacia cochliacantha, zusammen setzen. Bis zu den saisonalen Regenfällen sind die Büsche laublos. Mit dem Austreiben der ersten Blätter schlüpfen auch die Falter. Bald darauf legen die Weibchen ihre Eier ab, jeweils nur wenige pro Strauch (Vázquez and Pérez 1961, Pérez 1977). Die Männchen zeigen Territorialverhalten und bekämpfen Eindringlinge von einem Ast hoch oben im Baum aus. Gelegentlich kommen Männchen wie Weibchen zum Wassertrinken auf die Sandbänke kleiner Bäche herunter (Collins & Morris 1985 nach de la Maza in litt.). Die Imagines fliegen im Juni und Juli (Salvin 1893), gelegentlich auch bis Anfang August (Kurz & Kurz 2011). Die Eier werden von Trichogrammatidae-Arten parasitiert. Die Raupen wurden beobachtet, wie sie von Wanzen der Familie Pentatomidae angegriffen wurden, aber ihr Osmaterium scheint effektive Repellentien gegen Räuber zu produzieren. Falter können auch von Spinnen (Argiopidae) oder Raubfliegen (Asilidae) erbeutet werden (Pérez 1971).

Entwicklungsstadien:

Raupe. Die Raupe ist grün mit einem kontinuierlichen gelben Rückenstreifen und weißen Querstreifen auf jedem Segment. Sie trägt kleine schwarze oder gelbe Tuberkel. Der Kopf kann schwarz, grün oder gelb sein (Igarashi 1979, Pérez 1969, Tyler 1975, Vásquez & Pérez 1967). Wie bei anderen Papilionidae besitzt die Raupe ein Osmaterium zur Verteidigung. Wenn sie gestört wird, stülpt sie ihr Osmaterium heraus und versucht das stinkende Sekret auf den Angreifer zu wischen (Eisner et al. 1970). Die Raupen fressen an Acacia cochliacantha, welche als Nahrungspflanze einzigartig unter den Papilionidae ist (Vázquez and Pérez 1961). Zur Verpuppung kommen sie auf den Boden herunter und graben sich in den losen Erdboden ein (Pérez 1977).

Diagnose:

Innerhalb ihres Verbreitungsgebietes ist B. brevicornis unverwechselbar.

Phylogenie: B. brevicornis wird als "lebendes Fossil" angesehen. Sie ist die einzige Vertreterin der Baroniinae, welche als die urtümlichste Gruppe der Papilionoidea angesehen wird. Ungewöhnliche Eigenschaften finden sich im Geäder, in den kurzen Fühlern, der Anwesenheit eines Duftorgans bei den Weibchen, aber auch in der einzigartigen Nahrungswahl der Raupen. In einigen urtümlichen Eigenschaften ist B. brevicornis dem mitteleozänen Praepapilio colorado sehr ähnlich, was die Vermutung nahelegt, dass der Ursprung der Papilionidae in Nordamerika und nicht in Südostasien liegt (Hancock 1983).

Biochemische Leistungen:

Das Sekret des Osmateriums der Raupen besteht hauptsächlich aus zwei aliphatischen Säuren und zwar Isobutansäure und 2-Methyl-butansäure (Eisner et al. 1970).

Wissenswertes:

Gefährdungsstatus: Nach der IUCN Red List of Threatened Species (Gimenez Dixon 1996) wird die Art als "Near Threatened (IUCN 2.3)" eingestuft. B. brevicornis ist nicht unmittelbar gefährdet, aber das nur lokale Vorkommen macht die Art sehr anfällig für das Abholzen der Acacia-Dickichte, was hauptsächliche Folge des zunehmenden Druckes auf Grund der rasch wachsenden Bevölkerung in Mexiko ist (Collins & Morris 1985).

Quellen:

Collins, N. M. & M. G. Morris 1985. Threatened Swallowtail Butterflies of the World. The IUCN Red Data Book. 401 pp., 8 pl. - available at: http://www.archive.org/details/threatenedswallo85coll.
Eisner, T., T. E. Pliske, M. Ikeda, D. F. Owen, G. L. Vázquez, R. H. Perez, J. G. Franclemont & J. Meinwald 1970. Defense mechanisms of arthropods. XXVII. Osmeterial secretions of papilionid caterpillars (Baronia, Papilio, Eurytides). Annals of the Entomological Society of America 63: 914-915.
Gimenez Dixon, M. 1996. Baronia brevicornis. In: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2011.1. URL: www.iucnredlist.org. [online 28 Juni 2011].
Hancock, D. L. 1983. Classification of the Papilionidae (Lepidoptera): a phylogenetic approach. Smithersia 2: 1-48.
Häuser, C. L. 1992. A new abdominal scent organ in females of Baronia brevicornis (Lepidoptera: Papilionidae). Zoologischer Anzeiger 229 (1/2): 54-62.
Igarashi, S. 1979. Papilionidae and Their Early Stages. Vol 1: 219 pp. Vol 2: 102 pp. of plates. Kodansho, Tokyo. (In Japanese).
Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2011. Naturkundliches Informationssystem. – URL: http://www.nkis.info [online 20 Mai 2011].
Pérez, R. H. 1969. Quetotáxia y morfología de la oruga de Baronia brevicornis Salv. (Lepidoptera Papilionidae Baroniinae). Anales del Instituto de Biología Universidad de México. 40, Ser. Zool. (2): 227-244.
Pérez, R. H. 1971. Algunas consideraciones sobre la población de Baronia brevicornis Salv. (Lepidoptera, Papilionidae, Baroniinae) en la región de Mezcala, Guerrero. Anales del Instituto de Biología Universidad de México 42, Ser. Zool. (1): 63-72.
Pérez, R. H. 1977. Distribución geográfica y estructura poblacional de Baronia brevicornis Salv. (Lepidoptera, Papilionidae, Baroniinae) en la República Mexicana. Anales del Instituto de Biología Universidad de México 48, Ser. Zool. (5): 151-164.
Salvin, O. 1893. Description of a new genus and species of Papilionidae from Mexico. The Transactions of the entomological Society of London (IV): 331-332.
Tyler, H. A. 1975. The Swallowtail Butterflies of North America. Naturegraph, California, viii + 192 pp., 16 pl.
Vázquez, G. L. & R. H. Pérez 1961. Observaciones sobre la biologia de Baronia brevicornis Salv. (Lepidoptera: Papilionidae—Baroniinae). Anales del Instituto de Biología Universidad de México 32: 295-311.
Vázquez, G. L. & R. H. Pérez 1967. Nuevas observaciones sobre le biología de Baronia brevicornis Salv. Lepidoptera: Papilionidae—Baroniinae. Anales del Instituto de Biología Universidad de México. 37: 195-204.

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2011.03.02
Kurz Michael: 2011.06.29
Kurz Michael: 2014.04.16
Kurz Michael: 2014.05.13
Dokument begutachtet von:
not reviewed: 2014.05.13
Dokument freigegeben:
Kurz Michael: 2014.05.13

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