N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Colias palaeno europome (Esper, 1779)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Typenfundort: Deutschland, Sachsen
Moorland Clouded Yellow
Le Solitaire
Hochmoorgelbling, Moorgelbling, Zitronengelber Heufalter

Habitus:

: Salzburg, Hohe Tauern, Gasteinertal, Sportgastein, 1600 m, 1977.07.24, leg. et coll. Michael Kurz : Salzburg, Hohe Tauern, Gasteinertal, Sportgastein, 1600 m, 1977.07.24, leg. et coll. Michael Kurz Unterseite: Salzburg, Hohe Tauern, Gasteinertal, Sportgastein, 1977.07.24, leg. et coll. Michael Kurz Unterseite: Salzburg, Hohe Tauern, Gasteinertal, Sportgastein, 1977.07.24, leg. et coll. Michael Kurz
Bild von: Kurz Michael
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Verbreitung:

Die mitteleuropäische ssp.europome ist in Mitteleuropa sehr lokal verbreitet. In Belgien ist sie möglicherweise bereits ausgestorben, in Frankreich findet man sie in den Vogesen und im Jura. In Deutschland kam sie besonders auf den bayrischen Mooren vor (bereits ausgestorben, ebenso auf den Alpenvorland-Mooren Salzburgs und Oberösterreichs), weiter nördlich nur sehr lokal und selten, darüber hinaus auch im nördlichen Tschechien, in den Karpaten und in Rumänien. Häufiger ist sie lediglich noch in den Alpen, wo sie bis gegen 2500 m Höhe vorkommt.

Lebensweise:

     
Salzburg, Gurktaler Alpen, Lungau, Ramingstein Umgebung, von der Karneralm auf den Kleinen Königstuhl      
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Im Flachland sind Moore nahezu der einzige mögliche Lebensraum. Wichtig ist neben dem Vorkommen der Futterpflanzen (Vaccinium uliginosum) auch ein möglichst offenes, nicht zu stark verbuschtes Habitat. Im Gebirge werden ähnliche Lebensräume besiedelt, aber auch trockenere Vaccinium-Zwergstrauchheiden. Die Flugzeit erstreckt sich in einer Generation je nach Höhenlage von Anfang Juni bis August.

Entwicklungsstadien:

Ei:
Die Eier werden einzeln auf die Oberseite der Blätter abgelegt. Das Ei ist zunächst grünlich gelb und wird später rötlich. Der obere Teil ist etwas heller. Kurz vor dem Schlüpfen der Raupe verfärbt es sich bleigrau.

Raupe:
Die Raupe ist jung bräunlich mit dunkel gefärbtem Kopf. Erwachsen ist sie grün, besitzt einen kräftigen, gelben Seitenstreifen und weiße, schwarz gesäumte Stigmen, sowie kurze schwarze Haare. Futterpflanze ist im Flachland Vaccinium uliginosum Linné, im Gebirge vermutlich die nahe verwandte Vaccinium gaultherioides Bigelow. Die Raupe überwintert nach der zweiten Häutung und ist im Mai erwachsen. Angeblich frisst sie nachts und hält sich tagsüber versteckt.

Puppe:
Die Puppe ist grünlichgelb mit stark gewölbtem Rücken.

Diagnose:

   
C. palaeno europome : Österreich, Salzburg, Sportgastein, 1600 m, 1977.07.24 C. erate : Österreich, Burgenland, Lange Lacke, 2000.06.06    
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Von der typischen ssp. palaeno (Linné, 1761) aus Skandinavien unterscheidet sich die ssp. europome (Esper, 1779), die von manchen Autoren nur als Form der ersteren betrachtet wird, bei den durch eine kräftiger gelbe Oberseite und eine breitere dunkle Randbinde. Auch die Unterseite ist auf der Vfl.-Spitze und am Hfl. intensiver gelb getönt. Von anderen ähnlichen Arten ist das Taxon durch den nicht durch helle Flecken unterbrochenen, dunklen Flügelrand, die gelbe Grundfarbe und den weißen Diskoidalfleck auf der Hfl.-Oberseite sehr gut differenziert. Andere gelbe Arten haben in Europa entweder gelbe Flecken im dunklen Flügelsaum oder einen orangen Diskoidalfleck auf der Hfl.-Oberseite. Zudem bewohnen sie meist ganz andere Lebensräume.

Im -Genitalapparat bestehen geringe Unterschiede zu ssp. palaeno im Bau der Valven, deren Vorderrand bei europome gleichmäßiger gerundet ist.

Genetik:

Chromosomenzahl (haploid): 31 - 32 (!?, Higgins, 1975)

Wissenswertes:

Der Hochmoorgelbling erlebte im bayrischen und österreichsichen Alpenvorland einen dramatischen Rückgang, der zu einem völligen Aussterben seit den 1980er Jahren führte. Neben der immer noch fortschreitenden Zerstörung von Feuchtbiotopen und Mooren könnten daran paradoxerweise aber auch die heutigen strengen Naturschutzbestimmungen mit verantwortlich sein: Durch das völlige Einstellen des Torfabbaues verbuschen die freien Hochmoorflächen immer mehr, was zu einer völligen Veränderung der kleinklimatischen Verhältnisse führen dürfte. Viele ehemals starke Populationen sind dadurch mittlerweile ausgestorben.

Quellen:

Forster W. & Th.A. Wohlfahrt (1976): Die Schmetterlinge Mitteleuropas, 2, Tagfalter, 2. Auflage, Franckh´sche Verlagshandlung, Stuttgart
Higgins, L. (1975): The Classification of European Butterflies, Collins, London
Higgins L.G. & N.D. Riley (1978): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, übersetzt von W. Forster, 2. Auflage, Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin
Leraut P. (1992): Les papillons dans leur milieu, Bordas
Tolman T. & R. Lewington (1998): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, übersetzt von M. Nuß, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2006.01.30
Kurz Michael: 2006.01.31
Kurz Michael: 2014.08.29
Kurz Michael: 2019.07.15
nicht begutachtet