N A T U R K U N D L I C H E S   I N F O R M A T I O N S S Y S T E M

Pieris napi napi (Linné, 1758)

(zoologische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Papilio napi Linnaeus, 1758, Syst. Nat., X
Typenfundort: Schweden
Green veined White
La Piéride du Navet
eigentlicher Rapsweißling
Navoncella
Blanca verdinervada

Habitus:

: Salzburg, Flachgau, Thalgau, 1976.05.29, leg. et coll. Michael Kurz derselbe Falter von der Unterseite , Unterseite: Salzburg, Flachgau, Thalgau, 1976.05.15, leg. et coll. Michael Kurz : Salzburg, Flachgau, Thalgau, 1977.08.05, leg. et coll. Michael Kurz
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derselbe Falter von der Unterseite : Salzburg, Flachgau, Thalgau, 1976.07.01 derselbe Falter von der Unterseite  
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Beschreibung:
(untersucht: 2 , 2 )

Spannweite: 46 - 47 mm, 38 - 44 mm
Die weißen Palpen sind bei der Frühjahrsgeneration lang dunkelgrau, bei der Sommerform mehr weißlich behaart. Die Augen sind graubraun bis dunkelbraun, die 9 - 11 mm langen Fühler oben schwarz, unten weißlich, zum Teil auch schwarz-weiß gepunktet. Die flache, schwarze Fühlerkolbe besitzt eine weiße Spitze.
Der Körper ist oben schwarz, unten mehr oder weniger hell grau, am Thorax stark weißlich behaart, am Prothorax auch gelblich. Die Oberseite der Flügel ist weiß, ihre Basis, Radial- und Cubitalstamm der Vfl., sowie der Apex sind mehr oder weniger ausgedeht und mehr oder weniger intensiv grau bestäubt und leicht weiß überhaucht. Schwarz bestäubt sind im Allgemeinen auch die Aderenden auf Vorder- und Hinterflügel. Die besitzen im Vfl. zwei dunkle Diskalflecke und einen dunklen Fleck am Costalrand des Hfl. Die Vfl.-Unterseite ist mit Ausnahme des Apex, der ebenso wie die Hfl.-Unterseite mehr oder weniger gelb ist, ebenfalls weiß gefärbt. Die Adern sind beiderseits grau bestäubt, dies extrem stark auf der Hfl.-Unterseite, wobei die Adern selbst aber hell bleiben. Bei der Sommergeneration ist die Aderbestäubung viel schwächer, auch auf der Hfl.-Unterseite.

Variabilität:
Neben den in der Gattung üblichen Geschlechtsunterschieden (Diskalflecke auf der Vfl.-Oberseite), variiert die typische ssp. napi sehr stark in Intensität und Ausdehnung der dunklen Bestäubung, sowie im Gelbton der Hfl-Unterseite, der von fast weiß bis satt schwefelgelb reichen kann. Falter der Sommergeneration weisen generell eine reduzierte dunkle Bestäubung auf.

Verbreitung:

Die typische ssp. napi kommt in Europa mit Ausnahme der Polarregion, der höchsten Gebirgslagen und, bei Wertung des Taxons meridionalis als eigene Unterart, auch Südeuropas vor. Sie fehlt auf den Shetland-Inseln. Im Gebirge erreicht sie eine Höhe von rund 2000 m.

Lebensweise:

Salzburg, Flachgau, Eugendorf, Sophiensiedlung, 2002.07.01, ID HdN-1101 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, ID JG0010-5-2,51 : Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf Zaunschirmwiese, 1999.04.03, ID JG0010-6-1,16 : Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf Zaunschirmwiese, 1999.04.04, ID JG0010-6-1,21
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: Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf Zaunschirmwiese, 1999.04.29, ID JG0010-6-1,34 : Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 1999.05.16, ID JG0010-6-1,70 Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 1992.05.01, ID JG0010-Fk,10  
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Die Art kommt fast überall im freien Gelände und im lichten Wald vor, soweit nur irgendwie geeignete Nektarquellen und Futterpflanzen für die Raupen in der Nähe sind. Dabei werden feuchte, grasige und blütenreiche Orte bevorzugt, die auch etwas Schatten aufweisen, wie Waldränder und bewaldete Flußtäler. Auf der Suche nach alternativen Futterpflanzen erweitern die ihr Fluggebiet auch in trockenere Bereiche, wie trockene, oft felsige, blumenreiche Schluchten. Generell werden extensiv bewirtschaftete Flächen vorgezogen, wobei die Art in naturnahen Gärten aber ebenfalls regelmäßig Gast ist.

Die Flugzeit erstreckt sich in 2 - 3 Generationen von März bis Oktober.

Entwicklungsstadien:

     
Ei: Steiermark, Grazer Bucht Ost, Grazer Feld, Enzelsdorf, 2000.04.30, ID JG0010-JG,10-1,41      
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Ei:
Die Eier werden einzeln an die Unterseite der Blätter abgelegt, gewöhlich an kleinere Pflanzen, die auch etwas im Schatten stehen. Das Ei ist birnförmig und grünlich.

Raupe:
(untersucht: 1 erwachsene Raupe)
Die Entwicklung der Raupe dauert im Sommer nur 3 - 4 Wochen. Die erwachsene Raupe ist rund 22 mm lang, etwas gedrungen und leuchtend grün. Am Rücken befinden sich oberhalb der Seitenlinien zahlreiche, verschieden große, schwarze Punktwarzen. Auf einigen davon befinden sich kurze schwarze und weiße Borsten. Die Seitenlinien sind nur sehr schwach angedeutet, diffus und gelblichweiß, die darin befindlichen schwarzen Stigmen sind leuchtend gelb eingefasst. Der Kopf ist klein, ebenfalls grün mit zahlreichen kurzen Borsten. Die Vorderkante der Mandibeln ist braun, an der Seite trägt die Kopfkapsel je eine Reihe von fünf schwarzen Ocellen. Die Thoraxbeine sind grünlichgelb, die Bauchbeine grün. Als Futterpflanzen dienen verschiedene wild wachsende Brassicaceae, wie Cardamine-Arten, Nasturtium officinale, Lepidium heterophyllum, Lunaria rediviva, Hesperis matronalis, Arabis-Arten, Alliaria petiolata, Sinapis arvensis und einige andere, wobei Brassica-Arten aber kaum eine Rolle zu spielen scheinen.

Puppe:
(untersucht: 2 Exemplare)
Die Puppe ist 20 - 21 mm lang, schlank, mit spitzen Höckern am Kopf, am Rücken und an den vorderen Seiten des Abdomens (dorsal). Die Grundfarbe ist hell gelblichgrün, mit feiner schwarzer Punktierung am Rücken und an den Seiten. Eine feine weißliche Rückenlinie ist von größeren schwarzen Punkten unterbrochen (je einer pro Segment). Noch größere schwarze Flecke (je einer pro Segementseite) unterbrechen die hell gelblichen, auf einem Kamm verlaufenden Nebenrückenlinien. Weitere schwarze Flecke befinden sich an der Rückenseite von Kopf und Thorax, sowie auf den Flügelscheiden. Der Seidenpolster, an dem der Cremaster eingehakt ist, sowie der Seidengürtel sind weiß. Die Färbung der Puppen kann von beingelb bis grünlichbraun variieren, die Fleckenzeichnung ist ebenfalls variabel. Überwinterungsstadium ist die Puppe. Die Puppenruhe dauert im Sommer nur rund 7 Tage.

Diagnose:

Eine Reihe von Taxa, die früher als eigene Arten aufgefasst oder zu anderen Arten gestellt worden sind, werden heute als Unterarten von Pieris napi (Linné, 1758) betrachtet.
Von der als Unterart fraglichen (nur Form ?), südeuropäischen Pieris napi meridionalis Heyne, 1895 unterscheidet sich die typische ssp. napi durch die etwas geringere Größe und die ausgedehntere Bestäubung der Adern auf der Hfl.-Unterseite (die bei meridionalis oft fast fehlt). Pieris napi adalwinda Fruhstorfer, 1909 aus Fennoskandien nördlich von 65° Nord und Pieris napi flavescens F.Wagner, 1903 aus dem Osten Österreichs und der Slowakei wurden früher als Unterarten von Pieris bryoniae betrachtet. Ihre sind von typischen napi nicht zu unterscheiden, die sind oberseits mehr oder weniger gelblich mit teils ausgedehnter dunkler Bestäubung der Oberseite (ein Merkmal, das allerdings stark variieren kann). Pieris napi segonzaki Le Cerf, 1923 fliegt im Hohen Atlas in Marokko, ist deutlich größer als napi napi, die weisen auf der Oberseite auffallende, länglich dreieckige dunkle Flecke auf den Aderenden auf. Bei Pieris napi atlantis Oberthür, 1923 aus dem Mittleren Atlas in Marokko ist die dunkle Beschuppung stark reduziert, besonders auf der Hfl.-Unterseite, das besitzt aber einen sehr kräftigen dunklen Postdiskalfleck auf der Vfl.-Oberseite (bei napi napi oft sogar fehlend). Auch dieses Taxon ist sehr groß. Sehr genau der Sommergeneration der Nominatunterart entspricht dagegen Pieris napi maura aus Algerien, Tunesien und möglicherweise auch Portugal.

Ebenfalls sehr ähnlich ist Pieris pseudorapae Verity, bei der die Adern der Hfl.-Unterseite weniger deutlich begrenzt sind. Dieses Taxon fliegt sehr lokal im mittleren und südlichen Balkan und über Kleinasien bis Südrussland. Pieris bryoniae (Hübner, [1805]) ist im -Geschlecht ebenfalls kaum von typischen napi zu unterscheiden, obwohl napi- mehr kreidig weiß wirken. Die von bryoniae sind im Gegensatz dazu leicht zu unterscheiden, da sie oberseits mehr gelblich getönt und ausgedehnt dunkel bestäubt sind.

In den Genitalarmaturen wurden zwischen allen genannten Taxa keine brauchbaren Unterschiede gefunden.

Genetik:

Chromosomenzahl (haploid): 25 - 32 (!?, Higgins, 1975)

Wissenswertes:

Quellen:

Forster W. & Th.A. Wohlfahrt (1976): Die Schmetterlinge Mitteleuropas, 2, 2. Auflage, Franckh´sche Verlagshandlung, Stuttgart
Higgins, L. (1975): The Classification of European Butterflies, Collins, London
Higgins L.G. & N.D. Riley (1978): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, übersetzt von W. Forster, 2. Auflage, Verlag Paul Parey, Hamburg und Berlin
Leraut P. (1992): Les papillons dans leur milieu, Bordas
Tolman T. & R. Lewington (1998): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas, übersetzt von M. Nuß, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co., Stuttgart

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2004.12.31
Kurz Michael: 2006.11.05
nicht begutachtet