Artemisia vulgaris Linné, 1753

(botanische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Artemisia vulgaris Linné, 1753.
Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Artemisia opulenta Pamp.
Artemisia samamisica Besser
Artemisia superba Pamp.

Beinweich, Besenkraut, Donnerkraut, Fliegenkraut, Gänsekraut, Gewöhnlicher Beifuß, Gürtlerkaurt, Johannesgürtelkraut, Jungfernkraut, Mugwurz, Sonnenwedel, Sonnwendgürtel, Sonnenwendkraut, Throwurz, Weiberkraut, Wilder Wermut, Wisch

Habitus:

Beschreibung: (wikipedia 2018): Höhe: 0,6 - 2 m; Stängel meist aufrecht, höchstens spärlich behaart; Laubblätter fiederteilig, derb, 2,5-5 (10) cm lang und 2-3 cm breit; Blattoberseite grün, Unterseite grau-weißlich behaart; Blütenstände endständig, rispig, aus vielen körbchenförmigen Teilblütenständen zusammen gesetzt; Blütenkörbchen unscheinbar, weißlichgrau, gelblich oder rotbraun, 2,5-3,8 mm lang und 2-3 mm im Durchmesser.

Verbreitung:

Die Art kommt in Europa, den gemäßigten Gebieten Asiens und in Nordafrika vor. In Mitteleuropa breitete sie sich vermutlich infolge des neolithischen Ackerbaus aus und dürfte hier seit der Zeit der Bandkeramik vorkommen (um 5000 v. Chr.). In Nordamerika und Grönland ist Artemisia vulgaris ein Neophyt. Die Höhenverbreitung reicht von nahe Meeresniveau im nördlichen Mitteleuropa bis rund 1650 m in den bayerischen Alpen (Kurz & Kurz 2018, wikipedia 2018).

Lebensweise:

   
Salzburg, Flachgau, Hallwang, Zilling, Talübergang, 2005.09.20 Salzburg, Flachgau, Hallwang, Zilling, Talübergang, 2005.09.20    
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
   

A. vulgaris kommt vor allem auf Ruderalstandorten und in Hochstaudenfluren an trockenen Standorten vor und bildet gelegentlich auch kleine Reinbestände (Kurz & Kurz 2018). Hierbei werden nährstoffeiche Böden bevorzugt (wikipedia 2018). Es treten aber auch Mischbestände mit anderen Artemisia-Arten auf. Die Blütezeit reicht von Juli bis September mit dem Maximum im August, die Fruchtreife beginnt im September (Kurz & Kurz 2018, wikipedia 2018). Während des Winters sterben die oberiridischen Teile ab.

Die Blüten werden hauptsächlich durch den Wind bestäubt, wobei die Pollenfreisetzung zwischen 6 und 11 Uhr erfolgt (wikipedia 2018).

Entwicklungsstadien:

     
unreife Früchte: Salzburg, Flachgau, Hallwang, Zilling, Talübergang, 2005.09.20      
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
     

Blütenkörbchen nur mit fertilen, radiärsymmetrischen Röhrenblüten, außen 7-10 weibliche, innen (5) 8-20 zwittrige; Röhrenblüten gelblich bis rötlichbraun, 1-3 mm lang; Hüllblätter eiförmig, filzig behaart (wikipedia 2018).

Früchte bis 1,5 mm lang und 0,1 mg schwer, kahl, ohne Pappus; Samen glatt, dunklebraun, ellipsoid; Hüllblätter als Kapsel, die sich bei Trockenheit öffnet. Die ganze Pflanze kann pro Jahr bis zu 500.000 Früchte produzieren (wikipedia 2018).

Genetik:

Chromosomenzahl (2n): 18, 36, 40 oder 54 (wikipedia 2018). Diese Chromosomenzahlen deuten auf eine gewisse Polyploidisierung hin.

Biochemische Leistungen:

Die wichtigsten Inhaltsstoffe im Kraut des Beifußes sind die Sesquiterpenlactone, die für den bitteren Geschmack verantwortlich sind, und bis zu 0,2 % komplex zusammengesetztes ätherisches Öl. Der Beifuß enthält folgende Stoffklassen/Stoffe (nach wikipedia 2018):
Ätherisches Öl: Hauptbestandteile sind Kampfer, Thujon, 1,8-Cineol und Linalool
Sesquiterpenlactone: Vulgarin, Pilostachyin
Flavonoide: Quercetin, Rutin
Hydroxycumarine: Umbelliferon, Aesculetin
Polyine, Triterpene, Carotinoide

Bedeutung für den Menschen:

Beifuß kann auf Grund des Gehalts an Bitterstoffen als Gewürzpflanze verwendet werden, und zwar besonders für fette, schwere Fleischgerichte. Durch diese Bitterstoffe wird besonders die Bildung von Magensaft und Gallenflüssigkeit angeregt, wodurch die Verdauung unterstützt wird. Die Pflanze gehört aber auch zu den traditionellen Grutbier-Kräutern, wurde also beim Brauen von Bier verwendet. Für Gewürzzwecke sind allerdings nur die jungen Triebspitzen zu verwenden, solange die Blütenkörbchen noch geschlossen sind. Danach werden die Blätter zu bitter. Die Erntezeit erstreckt sich dabei von Juli bis Oktober. Aus getrockneten Beifuß-Pflanzen kann durch Wasserdampfdestillation ein Parfümöl gewonnen werden („Essence d´Armoise“, wikipedia 2018).

Die Wurzeln, die im Spätherbst geerntet wurden, wurden in Deutschland im 19. Jhd. in sehr fragwürdiger Weise zur Behandlung der Epilepsie eingesetzt. Die "Artemisiae herba" wurden phytotherapeutisch hauptsächlich in der Volksmedzin eingesetzt, besonders bei Appetitlosigkeit. So ist Beifuß eines der neun Kräuter in dem altenglischen Text Nine Herbs Charm, dem Neunkräutersegen. Allerdings sind einige der Inhaltsstoffe giftig, weswegen längere Anwendungen oder hohe Gaben bedenklich sind. Aus demselben Grund wird auch vor dem Einsatz in der Aromatherapie gewarnt. Zudem sind die Pollen von Aremisia vulgaris ein häufiger und bekannter Allergie-Auslöser (wikipedia 2018).

Beifuß galt besonders im Mittelalter als sehr wirksames Mittel gegen Hexenzauber und zur Abwehr dunkler Mächte und war Bestandteil vieler magischer Rezepturen und Räuchermischungen. Letztere wurden vor allem zur Sommer- und Wintersonnenwende und in den 12 Rauhnächten zur Abwehr von bösen Geistern verwendet. Am Dachfirst mit den Spitzen nach unten geheftet, wehrt Beifuß angeblich Blitze ab und hält Seuchen fern. Ähnliches gilt für die Thorellensteine oder auch Narrenkohle genannt, die man dem Glauben nach am Johannestag an den Wurzeln der Pflanze findet. Besondere Beziehung hatte der Beifuß auch zur Sommer-Sonnenwende ("Sunbent Gürtel", "Sant Johans Kraut" und "Himmelker"). Umgürtet mit einem Kranz aus Beifuß wurde das Johannisfeuer umtanzt. Dieser Kranz wurde anschließend "zusammen mit allen Anfeindungen" ins Feuer geworfen. Im Aberglauben verlieh Beifuß auch Ausdauer und Geschwindigkeit beim Laufen und wurde rituell in der Geburtshilfe durch Aufbinden auf den Bauch verwendet (wikipedia 2018).

Wissenswertes:

Quellen:

Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2018. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2018.03.26].
Linné, C.v. 1753. Species plantarum, exhibentes plantas rite cognitas, ad genera relatas, cum differentiis specificis, nominibus trivialibus, synonymis selectis, locis natalibus, secundum systema sexuale digestas. Verlag L. Salvius, Stockholm.
Seite „Beifuß“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 2. März 2018, 22:57 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Beifu%C3%9F&oldid=174559685 [online 2018.03.26].

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2006.03.26
Kurz Michael: 2018.03.28
Kurz Michael: 2018.03.30
Kurz Michael: 2018.04.03
nicht begutachtet

Werbung: