Symphytum officinale Linné, 1753

(botanische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Symphytum officinale Linné, 1753: 136.
Synonyme, falsche Schreibweisen, Fehlbestimmungen, etc.:
Symphytum bohemicum F.W.Schmidt. Jüngeres subjektives Synonym von Symphytum officinale officinale.
Symphytum uliginosum A.Kern. Subspecies von Symphytum officinale.
Symphytum tanaicense Steven. Jüngeres subjektives Synonym von Symphytum officinale uliginosum.

Arznei-Beinwell, Beinheil, Gemeiner Beinwell, Beinwurz, Bienenkraut, Comfrey, Eselohrwurz, Gemeine Wallwurz, Hasenbrot, Hasenlaub, Honigblum, Kuchenkraut, Milchwurz, Schadheilwurzel, Schmalwurz, Schwarzwurz, Wallwurz, Wundallheil, Zuckerhaferl

Habitus:

Beschreibung (wikipedia 2018): Höhe: 30-60 (100) cm; Wurzelstock aus gedrungenen, purpur-braunen Hauptwurzeln, die eine Länge von bis zu 50 Zentimeter erreichen; Stängel steif, aufrecht bis aufsteigend, verzweigt, dicht beborstet; Laubblätter wechselständig, 30-60 cm lang und 10-20 cm breit, breit lanzettlich bis eiförmig, mit lang ausgezogener Spitze; untere Laubblätter lang gestielt, mittlere und obere sitzend, mit 2-3 mm breiten Flügeln am Stängel herab laufend; Blüten in beblätterten, reichblütigen Doppelwickeln zusammen stehend, schmal glockenförmig, hell-bis dunkel violett, selten gelblich-weiß; Blütenstiele 2-6 mm lang, nickend.

Verbreitung:

Die Art ist von der Iberischen Halbinsel über das westliche Sibirien bis China verbreitet. In Südeuropa tritt sie eher selten auf (wikipedia 2018). Die Höhenverbreitung ist von der collinen Stufe bis in obermontane Lagen dokumentiert (bis zu 1300 m nach Kurz & Kurz 2018).

Lebensweise:

     
Salzburg, Flachgau, Eugendorf, Sophiensiedlung, 2002.07.29      
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
     

Der Echte Beinwell wächst in sonnigen bis halbschattigen Lagen, besonders auf feuchten und nährstoffreichen Böden (wikipedia 2018). Er kommt auf trockenen bis sumpfigen Wiesen, auch Wirtschaftswiesen, an Straßen- und Wegrändern, an Waldrändern, aber auch in Kraut- und Hochstaudenfluren vor (Kurz & Kurz 2018). Die Hauptblütezeit erstreckt sich von Mai bis Juni, eine Nachblüte kann von Juli bis in den September oder Oktober hinein auftreten (wikipedia 2018, Kurz & Kurz 2018). Der Nektar in den langen, glockenförmigen Blüten ist nur von Bienen- und Hummelarten mit einer Rüssellänge von mindestens 11 mm erreichbar. Kurzrüsselige Arten, wie beispielsweise Erdhummeln, stechen die Kronröhre seitlich an, um an den Nektar zu gelangen. Auch spontane Selbstbestäubung scheint möglich zu sein (wikipedia 2018).

Entwicklungsstadien:

Blüten zwittrig, radiärsymmetrisch, fünfzählig; Kelchblätter bis 7 mm lang, bis zu einem Viertel ihrer Länge miteinander verwachsen; Kelchzipfel lanzettlich, spitz zulaufend; Kronblätter zu einer Röhre verwachsen, 1-2 cm lang (meist 1,4-1,5 cm); Kronlappen dreieckig, zurück gebogen; Schlundschuppen rund 4 mm lang; Staubblätter fünf, mit der Kronröhre verwachsen, diese nicht überragend; Staubfäden rund 3 mm lang, im unteren Bereich fast so breit wie die rund 3,5 mm langen Staubbeutel; Fruchtknoten meist steril (wikipedia 2018).

Kelch nach der Befruchtung etwas vergrößert; selten gebildete Klausenfrüchte zerfallen in ein bis zwei, selten bis zu vier glatte, glänzende, schwarze Teilfrüchte (Klausen); diese schief eiförmig, 3-4 mm lang, am Grund mit einem Elaiosom und später halb hohl; Ausbreitung der Samen durch Herabfallen, Ameisen (Elaiosom) oder Wasser (Schwimmausbreitung durch eine Luftblase in der Klausenhöhlung); Vermehrung auch vegetativ möglich durch Verzweigung des Rhizoms und durch abgetrennte Teile (wikipedia 2018).

Genetik:

Chromosomenzahl (2n): 24, 26, 36, 40, 48 oder 54 (wikipedia 2018).

Biochemische Leistungen:

Wichtigster Inhaltsstoff ist das Allantoin, daneben treten auch Schleim- und Gerbstoffe, Asparagin, Alkaloide, ätherisches Öl, Flavonoide, Harz und Kieselsäure, sowie Pyrrolizidinalkaloide auf. Das rübenförmige Rhizom enthält als Reservestoff u. a. Inulin (wikipedia 2018).

Bedeutung für den Menschen:

Wegen des Gehalts an Alkaloiden, die sich im Tierversuch als krebserregend herausgestellt haben, ist eine häufige Verwendung von Beinwell in der Küche nicht angeraten. Beim Verzehr in angemessenen Mengen besteht allerdings kein erhöhtes Risiko, wie Untersuchungen an Menschen und Tieren ergeben haben. Frische Beinwellblätter weisen einen hohen Proteingehalt auf, wobei diese Proteine tierischem Eiweiß durchaus vergleichbar sein sollen. So können die großen Blätter des Beinwells zum Einwickeln verwendet werden (wie Weinlaub) und in der Mittelschweiz werden sie in Teig gebacken, wozu sie sich wegen ihrer Rauhheit besonders eignen (wikipedia 2018). Auch ein Kuchen aus Mehl, Beinwellblättern und Honig fand gemäß Hildegard von Bingen Verwendung (Mail-Brandt 2018). Daher rührt auch der Name "Kuchenkraut"

Ältere Pflanzenteile hat man früher in Teilen Österreichs dem Tabak beigemischt (wikipedia 2018), vermutlich um die "wertvolle" Substanz zu strecken. Ältere, getrocknete Blätter lassen sich auch zur Herstellung eines Flüssigdüngers verwenden (wegen des Protein-, bzw. Stickstoffgehaltes).

Bereits seit der Antike wurde Beinwell zur Behandlung von Wunden eingesetzt, besonders zur Förderung der Wundgranulation, aber auch zur Behandlung von Knochenbrüchen. In der heutigen Heilkunde werden die getrockneten Wurzeln (Symphyti radix), das Kraut (Symphyti herba), sowie die Blätter (Symphyti folium) des Beinwells verwendet. "Als Arzneipflanze zugelassen ist Beinwell heute äußerlich bei schmerzhaften Muskel- und Gelenkbeschwerden, Prellungen, Zerrungen, Verstauchungen sowie zur lokalen Durchblutungsförderung. Bei äußerlicher Anwendung werden die schädlichen Alkaloide kaum resorbiert, so dass im Allgemeinen unter diesen Bedingungen eine Anwendung von vier bis sechs Wochen im Jahr erfolgen kann" (wikipedia 2018). Aber auch zur Verbesserung der Struktur des elastischen Hautgewebes kann eine Beinwellcreme verwendet werden. Ein Wundwasser lässt sich auch selbst zubereiten. Hierbei werden 2 TL frische Beinwellblätter klein zerpflückt, mit kochendem Wasser übergossen und 10 min ziehen gelassen. Anschließend werden die Blätter abgeseiht und der Sud auf Raumtemperatur gekühlt. Ein Stück Mull oder Watte, damit getränkt, kann man zur Behandlung kleiner Wunden und Schrammen sowie bei Sonnenbrand verwenden (Mail-Brandt 2018). Die innerliche Anwendung hat man wegen des Gehalts an leberschädigenden und möglicherweise auch krebserregenden Pyrrolizidinalkaloiden aufgegeben. Dokumentierte Fälle von Lebervenenverschluss nach der Einnahme von Beinwellprodukten liegen u. a. aus den USA, dem Vereinigten Königreich und Deutschland vor" (wikipedia 2018). Neuerdings werden aber auch in der Homöopathie Symphytum-Globuli zur Einnahme angeboten. Für Fertigarzneimittel werden heute vorwiegend Hybride, wie Symphytum × uplandicum Nyman var. Harras, die weitgehend frei von schädlichen Alkaloiden sind, verwendet.

Wissenswertes:

Quellen:

Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2018. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2018.04.09].
Linné, C.v. 1753. Species plantarum, exhibentes plantas rite cognitas, ad genera relatas, cum differentiis specificis, nominibus trivialibus, synonymis selectis, locis natalibus, secundum systema sexuale digestas. Verlag L. Salvius, Stockholm.
Mail-Brandt M. 2018. Zauberpflanzen: Vom Zauber der Pflanzen - einst und heute. URL: http://www.zauber-pflanzen.de/ [online 2018.04.17].
Seite „Echter Beinwell“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 7. April 2018, 16:22 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Echter_Beinwell&oldid=176234485 [online 2018.04.09]

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2005.11.12
Kurz Michael: 2018.04.09
Kurz Michael: 2018.04.17
nicht begutachtet

Werbung: