Urtica dioica Linné, 1753

(botanische Nomenklatur: gültiger Name, verfügbar)

Allgemeine Angaben:

Urtica dioica Linné, 1753: 984.
Typenfundort: vermutlich Schweden
Große Brennessel, Gewöhnliche Brennessel, Donnernessel, Donnernettel, Dudelkolbe, Estekraut, Feuerkraut, Gichtrute, Große Neddeln, Hanfnessel, Nessel, Saunessel, Senznessel, Tausendnessel, Teufelskraut, Tissel, Tittenkölbl, Zingel

Habitus:

Beschreibung: (wikipedia 2018): Höhe: 0,3-3 m; Wurzel bis 70 cm tief; Stängel aufrecht, unverzweigt oder verzweigt, stark kantig, 3-5 mm im Durchmesser; Ausläufer über das Rhizom bildend und so oft zu großen Horsten heranwachsend; Blätter gegenständig; Blattstiele weniger als ein Drittel so lang wie die herzförmige, zugespitzte Blattspreite; diese 6-20 cm lang, 2-13 cm breit, matt, oberseits dunkelgrün, unten heller; Blattrand gesägt, selten doppelt gesägt; linealisch-pfriemliche Nebenblätter frei; Blätter und Stängel mit kieselsäureverstärkten Brennhaaren, bei ssp. subinermis Blattspreiten ohne Brennhaare; daneben mit zusätzlichen kurzen, grauen Borstenhaaren, sowie kleinen vierzelligen Drüsenhaaren, oft mit runden Perldrüsen an der Basis; Stiel des Tragblattes meist kürzer als der rispenförmige Blütenstand; Pflanze zweihäusig; radiärsymmetrischen Blüten unscheinbar grünlich oder bräunlich; männliche Blüten aufrechtstehend, Perigon bis zur Mitte gespalten, Zipfel am Ansatz am breitesten; weibliche Blüten hängend oder zurückgebogen; äußere Blütenhüllblätter linealisch bis schmal spatelförmig oder lanzettlich und 0,8-1,2 mm lang, innere Blütenhüllblätter eiförmig bis breit eiförmig, 1,4-1,8 Millimeter lang und 1,1-1,3 Millimeter breit; Fruchtknoten oberständig.

Verbreitung:

"Die Große Brennnessel ist überall auf der Nordhalbkugel abseits der Tropen und arktischer Regionen heimisch. In Südeuropa und Nordafrika ist sie weniger verbreitet, doch regional gewöhnlich. In Nordamerika ist die Pflanze sowohl in Kanada als auch in den Vereinigten Staaten weit verbreitet und kommt in jeder Provinz bzw. jedem Staat vor (mit Ausnahme von Hawaii); auch im nördlichsten Mexiko ist sie zu finden. In den regenreichen Gebieten des Pazifischen Nordwestens ist sie besonders stark vertreten" (wikipedia 2018). Die Höhenverbreitung erstreckt sich in Europa von Meeresniveau bis über 2500 m Höhe (Kurz & Kurz 2018).

Lebensweise:

     
Salzburg, Hohe Tauern, Stubachtal, Weg vom Enzingerboden zum Tauernmoossee, 2000 m, 2003.07.19      
Bild von: Kurz Michael
Detailansicht
     

Lebensraum sind meist tiefgründige, nährstoffreiche Wald- und Gebüschränder, Schlagfluren, gehölzassoziierte Hochstaudenfluren, Ruderalfluren, Geröll- und Schuttgesellschaften, aber auch Wiesen und Wegränder, sowie verschiedenste Kleinstrukturen des Siedlungsraumes. Oft bilden die Pflanzen auch ausgedehnte Reinbestände. Der demnach ermittelte Shannon-Wiener-Index beträgt ca. 3,85 (Kurz & Kurz 2018). Die Pflanze ist ein typischer Stickstoffzeiger und wurde durch Nährstoffeintrag (Eutrophierung) und Entwässerung von Auwäldern oft übermäßig stark gefördert, besonders im Saumbereich der Wälder. Ebenso zeigen Brennnesseln eine starke Assoziation mit den stickstoffangereicherten (früheren) Aufenthaltsorten von Menschen und Tieren (wikipedia 2018). Die Blütezeit beginnt in tiefen Lagen im Mai und kann, als Notblüte nach Verlust des Haupttriebes, bis in den November hinein andauern. Die Fruchtreife beginnt im Juli, erfolgt meist aber von September bis Oktober (Kurz & Kurz 2018). Die Ausbreitung der Früchte erfolgt sehr vielseitig als Ballon- oder Flügelflieger, als Schwimmer oder auch als Anhafter im Tierfell (wikipedia 2018).

Die Große Brennnessel dient verschiedenen Schmetterlingsraupen als Nahrungspflanze. Arten wie Kleiner Fuchs und Tagpfauenauge sind monophag, ernähren sich also ausschließlich von ihr. Andere Arten, wie der Admiral oder der Brennnesselzünsler fressen zumindest überwiegend an der Großen Brennnessel. Auch für die Gepunktete Nesselwanze ist sie eine wichtige Nahrungspflanze. Die Wurzeln sind unter anderem Nahrung für den Großen Hopfen-Wurzelbohrer. Dem Rostpilz Puccinia urticata dient die Große Brennnessel als Zwischenwirt, auf der er einen auffälligen, gelborangen, raupenförmigen Fruchtkörper ausbildet, bevor er zur weiteren Entwicklung auf Seggen (Carex) wechselt (Kurz & Kurz 2018, wikipedia 2018).

Entwicklungsstadien:

Samen eine Nussfrucht, eiförmig bis breit eiförmig, 1-1,3 (selten bis 1,4) mm lang und 0,7-0,9 m breit (wikipedia 2018).

Genetik:

Chromosomenzahl (2n): 26 (ssp. subinermis), 48 oder 52 (typische ssp.) (wikipedia 2018).

Biochemische Leistungen:

Kraut und Blätter enthalten zahlreiche Inhaltsstoffe, als wichtigste Scopoletin und β-Sitosterin, daneben 1-2 % Flavonoide (Quercetin-, Kämpferolglykoside) und 1-4 % Silikate. Die Wurzel enthält zusätzlich 0,1 % eines spezifischen Lektins, des sogenannten „Urtica dioica Agglutins“. Der Brennsaft enthält Histamin, Acetylcholin und Serotonin. Die Pflanze ist reich an Vitaminen A und C, Eisen, Kalium, Mangan und Calcium (wikipedia 2018).

Bedeutung für den Menschen:

Für die Küche können junge Brennnesselblätter, ebenso wie Blüten und Samenstände wie Spinat zubereitet werden. Aber auch als Salat oder Brennnesselsuppe sind sie sehr schmackhaft. Besonders die jungen Triebe ergeben ein nahrhaftes, wohlschmeckendes Wildgemüse. Regional werden Brennnesseln auch in Polenta- und Püree-Gerichten sowie zur Zubereitung von Pesto und als Beigabe zu speziellen Käsesorten verwendet. In Albanien werden sie zudem als Bestandteil der Füllung von Börek-Teigtaschen (Byrek me hithra) verwendet. Vom Verzehr älterer Blätter ist abzuraten, da die in ihnen vermehrt gebildeten, kalkhaltigen Zystolithen auf die Nieren reizend wirken ((Mail-Brandt 2018, wikipedia 2018).

"Für den gezielten Nutzanbau von Brennnesseln erfolgt im Mai entweder eine Aussaat oder die Pflanzung von Rhizomen bzw. vorgezogenen Jungpflanzen in das Freiland. Die Brennnessel kann ein- oder mehrjährig angebaut werden. Sollen die Blätter verwendet werden, erfolgt die Ernte mit Schneidladern während der Vollblüte der Pflanzen zwischen August und Oktober. Beim Anbau zur Fasergewinnung muss mit der Ernte bis zum Blühende abgewartet werden. Pro Hektar Anbaufläche lassen sich zwischen 20 und 40 t Feuchtmasse (FM) bzw. 2,5 bis 4 t Droge erzielen" (wikipedia 2018).

Als Heildroge werden frische oder getrocknete Brennnesselblätter (Urticae folium), getrocknetes Brennnesselkraut (Urticae herba) und getrocknete Wurzel (Urticae radix) verwendet. Sie werden als Tees, Extrakte oder Fertigpräparat angewandt. In der Schulmedizin wird die Wurzel bei Prostata-Beschwerden verwendet, das Kraut in Form eines Tees zur Anregung der Nierentätigkeit. Es hilft aber auch bei Rheuma und Gicht. Der Tee soll auch bei Frühjahrsmüdigkeit helfen. Bei eingeschränkter Herz- und Nierenfunktion ist aber Vorsicht geboten. Bei Haarausfall soll eine Brennnesseltinktur helfen, die in die Kopfhaut einmassiert wird, da sie die Durchblutung des Haarbodens stärkt. Aus den Samen kann ein wertvolles Öl gewonnen werden. Brennnesselsamen finden auch Verwendung bei Müdigkeit und Leistungsschwäche. Sie enthalten Proteine, Vitamine A, C und E, Carotinoide und ungesättigte Fettsäuren wie die Linolsäure.

Die Fasern der Brennnessel wurden früher auch zur Herstellung fester Stoffe und dergleichen verwendet. Sie lassen sich aber nur schlecht industriell verarbeiten, weswegen ihre Verwendung in Vergessenheit geriet.

Ein kalt hergestellter Sud oder eine Brennnesseljauche werden im Garten als biologisches Spritzmittel gegen Blattläuse, aber auch gegen Pilzbefall eingesetzt. Das Kraut eignet sich (angewelkt oder als Heu) auch als Futter für Schweine, Rinder, Schafe und insbesondere für Geflügel. Kleingehackt sind Brennnesseln traditionell Bestandteil von Kükenaufzuchtfutter (Mail-Brandt 2018, wikipedia 2018).

Im Aberglauben wird die Brennnessel auf Grund ihrer durchblutungssteigernden Wirkung als Aphrodisiakum verwendet. Gerichte mit ihr, wie auch 1-2 Teelöffel Brennnesselsamen sollen das Lustbedürfnis steigern. In der Brennnessel vermutete man auch den Sitz eines dämonischen Wesens. Deshalb glaubte man, dass nur eine wahrhafte Jungfrau eine Brennnessel berühren könnte, ohne sich daran zu verbrennen (Mail-Brandt 2018).

Wissenswertes:

Quellen:

Linné, C.v. 1753. Species plantarum, exhibentes plantas rite cognitas, ad genera relatas, cum differentiis specificis, nominibus trivialibus, synonymis selectis, locis natalibus, secundum systema sexuale digestas. Verlag L. Salvius, Stockholm.
Mail-Brandt M. 2018. Zauberpflanzen: Vom Zauber der Pflanzen - einst und heute. URL: http://www.zauber-pflanzen.de/ [online 2018.03.16].
Kurz, M. A. & M. E. Kurz 2000–2018. Naturkundliches Informationssystem. URL: http://www.nkis.info [online 2018.07.02].
Seite „Große Brennnessel“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 13. April 2018, 00:53 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Gro%C3%9Fe_Brennnessel&oldid=176436535 [online 2018.07.02].

Publikationsdaten:

Historie:
Kurz Michael: 2004.09.30
Kurz Michael: 2006.11.18
Kurz Michael: 2008.02.12
Kurz Michael: 2018.03.13
Kurz Michael: 2018.03.16
Kurz Michael: 2018.07.02
Kurz Michael: 2018.07.30
nicht begutachtet

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